Auf mehreren Wegen zum Ziel: Wie Sie in Illustrator Schein nach außen erstellen

Schein nach außen und nach innen sind rasterbasierte Effekte, die nicht nur für Neon-Looks eingesetzt werden können, sondern (mit anderen Füllmethoden als Negativ multiplizieren) auch für die Ausarbeitung von Details wichtig sind, die sich auf andere Art nur sehr viel schwieriger umsetzen lassen. Leider sind die beiden Schein-Effekte mitunter etwas bockig und lassen sich unter bestimmten Umständen nicht anwenden bzw. sind unsichtbar. Sehen wir uns an, wie man diesem Problem begegnen und den Schein austricksen kann.

Luftblasen

Mit dem Schein nach innen kann eine dreidimensionale Anmutung sehr einfach erstellt werden. Er ist auch sehr gut geeignet, um z. B. in einer Kartengrafik Küstenlinien zu verfeinern [Abb. 1].

Abb. 1: Küstenlinien (links) und eine »aufgeblasene« Schrift (rechts)

 

Prinzipiell könnte man dieselbe Technik verwenden, um Luftblasen anzudeuten, aber es wäre natürlich schön, wenn die Blasen selbst transparent sein könnten [Abb. 2].

Abb. 2: Luftblasen auf einem leicht modulierten Hintergrund sollten selbst transparent sein, um realistischer auszusehen.

 

Erste Idee: Die Fläche der Luftblasen wird auf Ohne gesetzt – damit verschwindet die Füllung, der Effekt allerdings ebenfalls [Abb. 3].

Abb. 3: Ohne Fläche kein Schein nach innen

 

Um dem zu begegnen, muss man nun ein wenig um die Ecke denken und sich überlegen, wie man ein Objekt noch unsichtbar füllen kann. Muster sind eine spezielle Art von Füllung. Man kann Muster so anlegen, dass sie unsichtbar sind – das nicht gefüllte, nicht konturierte Rechteck ist ja die Basis eines jeden Musters.

Die Idee wäre nun, ein Muster ausschließlich aus einem unsichtbaren Rechteck zu bauen. Dazu ziehen Sie ein Rechteck auf und weisen ihm Kontur und Fläche Ohne zu. Dieses Rechteck ziehen Sie ins Farbfelder-Bedienfeld. Im Farbfelder-Bedienfeld sieht es aus wie eine weiße Fläche. Sie sollten dem Muster daher einen deutlichen Namen geben [Abb. 4].

Abb. 4: Das unsichtbare Rechteck wird ins Farbfelder-Bedienfeld gezogen. Anschließend rufen Sie aus dem Menü des Farbfelder-Bedienfelds die Farbfeldoptionen auf und benennen das Muster.

 

Wenn Sie nun den Luftblasen dieses Muster zuweisen, funktioniert der Schein nach innen [Abb. 5].

Abb. 5: Illustrator ausgetrickst mit einem unsichtbaren Muster

 

Leuchteffekt

Der zweite Trick betrifft Textobjekte und den Schein nach außen. Man kann ein interessantes Glühen erstellen, wenn man einem Text zunächst Fläche und Kontur Ohne zuweist, dann das Textobjekt mit dem Auswahl-Werkzeug anklickt und mit dem Aussehen-Bedienfeld eine zusätzliche Fläche zuweist [Abb. 6].

Abb. 6: Die ursprüngliche Fläche des Texts gehört zu den Zeichen und wird auf Ohne gesetzt (links). Dann erhält das Textobjekt eine neue Fläche (rechts).

 

Diese Fläche erhält eine Farbe und die Deckkraft »0 %«. Dann wird dem Textobjekt der Effekt Schein nach außen zugewiesen. Zum Schluss wird die Eigenschaft Aussparungsgruppe aktiviert [Abb. 7].

Abb. 7: Beachten Sie die unterschiedlichen Deckkraft-Einstellungen: für die einzelne Fläche (roter Pfeil) und für das gesamte Objekt (oranger Pfeil)

 

Und wenn es kein Textobjekt ist?

Der Effekt ist schön und nun möchten Sie gerne das einmal Gelernte auf beliebige Objekte übertragen. Wenn Sie nun mit diesem Uhren-Symbol ebenso vorgehen und seiner Fläche die Deckkraft »0 %« zuweisen, einen Schein nach außen anlegen und das Ganze dann als Aussparungsgruppe definieren, dann funktioniert das nur teilweise [Abb. 8].

Abb. 8: Der äußere Ring behält seinen Schein, die Zeiger nicht.

 

Der Unterschied zwischen den beiden Teilen der Uhr besteht darin, dass die Zeiger ein einzelner Pfad sind und der Ring ein zusammengesetzter Pfad ist. Die Aussparungsgruppe funktioniert in diesem Fall nur mit dem zusammengesetzten Pfad.

Die Lösung besteht also darin, einen zusammengesetzten Pfad zu erstellen. Sie können in Illustrator mit Befehl/Strg + 8 auch einen einzelnen Pfad in einen zusammengesetzten Pfad umwandeln. Im Fall der Uhr ist es aber besser, den Ring und die Zeiger zu einem zusammengesetzten Pfad zusammenzufügen. Dann ergeben sich keine unerwünschten Interaktionen des Leuchtens der beteiligten Objekte [Abb. 9].

Abb. 9: So funktioniert das Leuchten auch mit Pfaden.

 

Details sind wichtig!

Bei Konstruktionen dieser Art ist es sehr wichtig, die Hierarchie der Aussehen-Eigenschaften genau anzulegen, d. h. die Stapelung spielt ebenso eine Rolle wie die Verschachtelung von Füllungen und Effekten. Wenn es nicht funktioniert, vergleichen Sie daher genau.

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Inhaltsverzeichnis

Arbeitsdateien

  • CA05-IL-04-schein.zip

Beitragsinfo

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