Weißabgleich und Farbtemperatur – wie Sie die Einstellungen in Lightroom oder ACR zielgenau vornehmen

Neben der Belichtungseinstellung ist der Weißabgleich eine der wichtigsten Einstellungen schon beim Fotografieren, und in der Bildbearbeitung wird der Weißabgleich meistens als erste Korrektur eingestellt. In diesem Artikel erläutern wir Ihnen die Grundlagen für eine gezielte Anwendung und zeigen, wie Sie die Einstellungen in Photoshop richtig treffen.

Bei technischen Abbildungen und bei Produktabbildungen ist meistens der korrekte Weißabgleich nötig. Das beste Ausgangsmaterial sind Bilder im Raw-Format, bei denen man gut nachträglich einen Weißabgleich einstellen kann, Sie können die Korrekturen von Lightroom oder Camera Raw aber auch für andere Bildformate, wie TIFF oder JPEG nutzen.

Lichtfarben und Farbkonstanz

Jedem Fotografen und jedem Bildbearbeiter sind schon einmal die Begriffe Weißabgleich und Farbtemperatur begegnet. Ein wenig Grundlagenwissen ist eine große Hilfe beim Umgang mit dem Thema.

Farbtemperatur

Es gibt viele unterschiedliche Lichtquellen und jede weist eine spezifische Farbe auf. Die Farbtemperatur einer Lichtquelle wird mit der Einheit Kelvin (K) angegeben. Die Grundlage der Definition für Kelvin ist die Erhitzung eines absolut schwarzen Objektes, das eine Farbe von Rot über Orange, Gelb, Weiß und schließlich Blau annimmt [Abb. 1].

Abb. 1: Darstellung der Farbtemperaturen von 1500 bis 27000 in Kelvin (K) und ihre Zuordnung zu einer Lichtquelle. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Farbtemperatur

 

Für unsere Vorstellung ist es ein wenig ungewohnt, dass eine niedrige Farbtemperatur einen warmen, orangefarbigen Ton und eine hohe Farbtemperatur einen bläulichen Ton bezeichnet.

Vielleicht wird es etwas deutlicher, wenn Sie an die Verwendung eines Bunsenbrenners im Chemieunterricht denken [Abb. 2].

Abb. 2: Unterschiedliche Farben der Flamme eines Bunsenbrenners. Wir empfinden Orangetöne als warm und Blautöne als kalt. Tatsächlich ist die Temperatur der Flamme in blauen Bereichen viel höher, als in orangen Bereichen. Quelle: Arthur Jan Fijałkowski - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=279768.

 

Wenn Sie bereits als Bildbearbeiter in einer professionellen Umgebung der grafischen Industrie gearbeitet haben, sind Ihnen sicher die Werte für Normlicht bekannt. Die wichtigste Normlichtart für die Beurteilung von Farben in Druck-Umgebungen ist D50 (5000 K). In Online-Umgebungen bei Produkten, die hauptsächlich am Monitor betrachtet werden, ist die Normlichtart D65 (6500 K), da die Standardeinstellung der meisten Monitore bei 6500 K liegt.

Farbkonstanz

Wenn wir einen Gegenstand bei Kerzenschein betrachten, sollte er eigentlich einen rötlich-orangen oder bei dunstigem Himmel einen blauen Farbstich haben. Nun schafft es unser Gehirn aber, einen Ausgleich zu schaffen, der uns bekannte Gegenstände farblich richtig aussehen lässt. Bei unterschiedlichen Lichtquellen sehen Zitronen für uns immer gelb oder ein weißes Blatt Papier weiß aus. Wir haben den perfekten Weißabgleich also immer parat. Diese Fähigkeit heißt Farbkonstanz.

Digitale Kameras haben so eine Fähigkeit nicht. Der Sensor nimmt unverändert die tatsächliche Lichtfarbe auf. Deshalb wird für jede Lichtsituation ein eigener Weißabgleich nötig.

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