Wie Sie externe Cliparts mit Transparenzen im EPS-Format in Illustrator verwenden

von Monika Gause

Wie Sie externe Cliparts mit Transparenzen im EPS-Format in Illustrator verwenden

Das Angebot an guten Cliparts im Web ist groß. Wenn Zeit und Budget knapp sind, kann man daher ruhigen Gewissens auch einmal auf ein bereits gestaltetes/erfundenes Rad zurückgreifen. Doch nicht immer erhält man dabei Daten, die direkt verwendbar sind. Wir zeigen Ihnen, wie Sie »typische« Cliparts in Illustrator-Dokumente einbauen, und erläutern Ihnen außerdem, welche Besonderheiten Dateien im EPS-Format besitzen.

Ausgangssituation

Wir möchten die folgende Weihnachtskarte mit ein paar Leuchtspuren »aufbrezeln« und haben uns dazu entschlossen, im Web nach einem passenden Leucht-Clipart zu suchen.

Diese Karte soll verfeinert werden.

 

Auf Vecteezy sind wir dann auch relativ schnell fündig geworden. Anhand der Vorschau können wir erkennen, dass die Lichtspuren-Grafik Transparenz enthält, da im Hintergrund das Transparenzraster sichtbar ist.

Diese Grafik möchten wir in unsere Weihnachtskarte einbauen.

 

Diese Grafik haben wir als EPS-Datei heruntergeladen und öffnen sie nun in Illustrator. Zunächst sieht alles wie erwartet aus.

Die EPS-Datei wurde in Illustrator geöffnet.

 

Wenn wir nun aber die Grafik auswählen, treffen wir auf zahllose Objekte.

Nanu, was ist da los? Es erscheinen zahlreiche Objekte.

 

Analyse des Problems

Offensichtlich handelt es sich also beim Transparenzraster nicht um das Illustrator-eigene, sondern um ein vom Ersteller künstlich angelegtes Hintergrundraster.

Transparenzraster in Illustrator einblenden

Über Ansicht → Transparenzraster einblenden könnten Sie ein solches in Illustrator nutzen. In unserem Fall ist es aber ausgeblendet.

Die Suche nach einer Erklärung führt uns ins Ebenen-Bedienfeld. Hier sehen wir, dass das künstliche Transparenzraster ganz unten in der Hierarchie liegt und durch Klick auf das Auge ausgeblendet werden kann.

Nach Ausblenden des künstlichen Rasters sieht man, was die Datei eigentlich zu bieten hat.

 

Nun erscheint das eigentliche Objekt und jetzt wird auch klar, dass das künstliche Raster den Sinn hatte, die eigentliche Wirkung der Grafik zu demonstrieren. Anhand des reinen Inhalts wäre dies nicht möglich. Es würde wirken, als besäße er keine Transparenz.

Dies können wir auch verifizieren, indem wir einfach mal eine Form, zum Beispiel einen farbigen Kreis, im Hintergrund erstellen.

Anhand des unterhalb des Objekts erstellten Kreises können wir sehen, dass das Objekt Transparenzen besitzt.

 

In diesem Fall wird die Transparenz erzielt, indem man den einzelnen Objekten des Cliparts die Füllmethode Negativ multiplizieren zuweist. Diese sorgt dafür, dass alles, was schwarz ist, komplett verschwindet.

Wenn wir ein Objekt im Ebenen-Bedienfeld aktivieren, können wir bei den Deckkraft-Einstellungen erkennen, dass die Füllmethode Negativ multiplizieren eingestellt ist.

 

Im Verlauf-Bedienfeld können wir erkennen, wie diese Grafiken eingefärbt wurden.

Der Verlauf endet nicht in der Transparenz, sondern im Schwarz. Dieses verschwindet, wenn man die Füllmethode Negativ multiplizieren verwendet.

 

Nachdem wir das künstliche Transparenzraster gelöscht haben, kopieren wir die komplette Gruppe und fügen sie im Hintergrund unserer Weihnachtskarte ein. Das Ergebnis sieht wie gewünscht aus.

Die Leuchtspuren-Gruppe wurde in den Hintergrund eingefügt.

 

Warum stellt man im Verlauf Schwarz und nicht einfach Transparenz ein?

Es wäre im Verlauf-Bedienfeld ganz einfach möglich, statt Schwarz eine Transparenz einzustellen. Dazu muss man die Deckkraft des Farbmarkers einfach auf »0 %« setzen.

Die Deckkraft wurde auf »0 %« gesetzt.

 

Wenn wir das in unserem Fall nachträglich ändern wollten, dann hätten wir zwar eine ganze Menge zu tun, da auch Verlaufsgitter zum Einsatz kommen.

Ein Verlaufsgitter

 

Aber möglich wäre es, da Verlaufsgitter seit Illustrator CS5 auch Transparenz unterstützen.

Um bei einem Verlaufsgitter Transparenz einzustellen, markiert man die Punkte und stellt die Deckkraft auf »0 %«.

 

Der Grund dafür, dass Cliparts keine echte Transparenz enthalten, liegt darin, dass viele Clipart-Anbieter nur Dateien akzeptieren, die im EPS-10-Format angeliefert werden, damit diese auch auf älteren Systemen und in möglichst vielen Programmen verwendet werden können.

EPS und Illustrator

Was wir wissen: EPS kann keine Transparenz. Es ist ein uraltes Dateiformat. Wenn wir Dateien als EPS speichern möchten, gelangen wir in die EPS-Optionen. Hier stellen wir dann aber fest, dass wir die Möglichkeit hätten, diese sogar als Illustrator CC EPS zu speichern. Was steckt dahinter? Wurde das EPS-Format vielleicht still und heimlich weiterentwickelt?

Man kann für alle neueren Illustrator-Versionen eigene EPS-Versionen einstellen.

 

Nein, wurde es nicht. Die letzte neue EPS-Version war Version 3 im Jahr 1997. Danach ist keine neue Version mehr erscheinen. Alle EPS-Versionen, die danach kamen, enthielten aber zusätzlich (die zum jeweiligen Zeitpunkt vollwertigen) Illustrator-Dateien.

Man speichert bei den neueren EPS-Formaten also zwei Dateien, eine EPS-Datei und eine darin eingebettete Illustrator-Datei.

Da die Anbieter jedoch EPS in der Version 10 wollen und die zu diesem Zeitpunkt aktuelle Illustrator-Version nur durchgefärbte Verläufe ohne Transparenz konnten, hatte der Ersteller unseres Leuchtspuren-Cliparts also gar keine andere Wahl, als auf Transparenz zu verzichten, und dafür die Transparenz über eine Füllmethode zu erzeugen.

Visuell macht es aber in unserem Fall keinen Unterschied, es ist alles in Ordnung.

Wie sieht es mit der programmübergreifenden Transparenz aus?

Wenn wir in Illustrator eine EPS-Datei öffnen, die eine eingebettete Illustrator-Datei enthält, dann arbeiten wir gar nicht mit der EPS-Datei, sondern mit der Illustrator-Datei.

Was aber, wenn das Programm nicht »Illustrator« heißt, sondern zum Beispiel Affinity Designer? Dies ist ein neueres Vektorprogramm und kann auch EPS-Dateien öffnen.

Wenn wir unser Lichtspuren-Clipart in diesem Programm öffnen, können wir erkennen, dass es in viele kleine Objekt-Brocken zerschnitten wurde.

Affinity Designer zerschneidet das EPS.

 

In diesem Fall wurde also die Transparenz verflacht mit der Folge, dass das künstliche Hintergrundraster nicht mehr ausblendet und die Grafik daher auch nicht wie gewünscht verwendet werden kann. Auf die eingebettete Illustrator-Datei kann Affinity Designer anscheinend (noch) nicht zurückgreifen.

Fazit

Sie wissen nun also, wie Sie externe Cliparts in Illustrator verwenden, wie diese typischerweise aufgebaut sind und warum sie in der Regel nur als EPS-Dateien ausgeliefert werden.

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