Vektorzufall mit Alchemy

von Monika Gause

Vektorzufall mit Alchemy

Wenn Concept Artists frühe Skizzen erstellen, geht es ihnen zunächst um das Ausprobieren von Ideen, das Finden neuer Formen. Wichtig in diesen Projektstadien ist der Prozess, weniger das Ergebnis, denn dieses wird durch den Vorgang des Zeichnens selbst gesucht. Der Vorgang des Zeichnens ist also nicht nur das Mittel, um das Ergebnis festzuhalten, sondern Teil des Findungsprozesses.

Der Entwickler Karl D.D. Willis – tätig bei Autodesk und früher Disney – erforscht neue Möglichkeiten, mit denen Computer ihre Benutzer in diesem Prozess unterstützen können. Es geht ihm dabei darum, mit den spezifischen Möglichkeiten von Computern auch die kreativen Prozesse, nicht nur die exakte Produktion zu unterstützen.

Zufall als Ausgangspunkt von Kreativität

Spezifische Möglichkeiten von Computern bestehen laut Willis z.B. in Zufallsberechnungen oder der Nutzung von Sensoren (Licht, Ton, Bewegung o.Ä.). Ein Ergebnis seiner Überlegungen und Forschungen ist die Software Alchemy.

Beispiele der Anwendung unterschiedlicher Module mit ihren eigenen Optionen jeweils unter der Werkzeugleiste.

Beispiele der Anwendung unterschiedlicher Module mit ihren eigenen Optionen jeweils unter der Werkzeugleiste.

Brainstorming

Ideen weiterspinnen

Wenn Sie sich schon einmal über die Ergebnisse von Illustrators Borstenpinseln gewundert haben, dann werden Alchemys Werkzeuge Sie erst recht überraschen. Hier ist der Zufall Teil des Programms. Gleichzeitig können Sie weitere Einflussmöglichkeiten hinzuschalten. Dank des zusätzlichen Inputs durch Algorithmen oder Sensoren werden die Zeichengesten unterstützt, verstärkt oder verändert, und so entstehen zufällige Variationen des Gezeichneten. Die Software verhält sich praktisch wie ein Gegenüber in einem Brainstorming, indem sie Ideen weiterspinnt oder Einwürfe von der Seite bringt.

Der Elefant in den Wolken

Prinzip des Rorschachtests

Die zugrunde liegende Theorie über die Entwicklung neuer Formen und Designs aus Scribbles und Skizzen vergleicht den Prozess mit einem Rorschachtest oder den Bildern, die wir in vorüberziehenden Wolken sehen. Aus den durch die Software willkürlich veränderten Zeichnungen entstehen Elemente und Kompositionen, in denen die Anwender anschließend neue Formen entdecken und diese gezielt weiterentwickeln können.

In willkürlich erzeugten Mustern entdeckt man Objekte, Formen und Charaktere.

In willkürlich erzeugten Mustern entdeckt man Objekte, Formen und Charaktere.

Download und Installation

Achten Sie auf die passende Version!

Alchemy steht auf der Projekt-Website für Mac OS (ab 10.4), Windows und Linux zur Verfügung. Laden Sie die passende Version herunter, packen Sie sie aus und verschieben Sie den Programmordner an den gewünschten Ort auf Ihrem Computer. Sie benötigen außerdem das Java-Runtime- Environment, das wahrscheinlich bereits installiert ist, da Adobe- Software es ebenfalls benötigt. Anschließend können Sie Alchemy benutzen.

Oberfläche

Ungewöhnliche Bedienung

Die Oberfläche von Alchemy ist so ungewöhnlich wie das gesamte Projekt: Nach dem Erstellen einer neuen Datei sehen Sie nur die Zeichenfläche. Werkzeuge und Optionen werden erst eingeblendet, wenn Sie den Cursor in den oberen Bereich dieser Datei bewegen.

Die Bedienelemente erscheinen nur, wenn der Cursor an den oberen Dokumentrand bewegt wird.

Die Bedienelemente erscheinen nur, wenn der Cursor an den oberen Dokumentrand bewegt wird.

Ganz rechts in der Werkzeugleiste befindet sich ein Button, mit dem die Werkzeuge in ein Bedienfeld umgewandelt werden können und anschließend permanent vorhanden sind. Alternativ verwenden Sie das einfache Interface, das Sie in den Voreinstellungen aktivieren und konfigurieren können. Auch damit werden die Werkzeuge dauerhaft im Fenster angezeigt.

Das einfache Interface

Das einfache Interface

Kein Zurück

Gewohnte Prozesse verlassen

Der Widerrufen-Befehl ist eigentlich ein verlässlicher Teil eines jeden Programms. Er ist so selbstverständlich geworden, dass wir manchmal versucht sind, ihn bei Arbeiten »im echten Leben« aufzurufen – und ihn im selben Moment vermissen. In Alchemy fehlt ganz bewusst ein Widerrufen- Befehl. Alle gezeichneten Spuren sollen bestehen bleiben, damit man sich nicht zu früh auf etwas festlegt, sondern gezwungen ist, Fehler und Zufälle zuzulassen und für sich nutzbar zu machen.

Lediglich die gesamte Arbeit kann gelöscht werden, um noch einmal ganz von vorn oder ein neues Projekt anzufangen.

Mit dem Button »Leeren« werden alle vorhandenen Objekte gelöscht.

Mit dem Button »Leeren« werden alle vorhandenen Objekte gelöscht.

Aufzeichnung der Arbeit

Auch wenn Sie nicht zurück können, lässt sich die Arbeit dennoch zurückverfolgen, denn Sie können eine Sitzung automatisch aufzeichnen. In einstellbaren Intervallen wird […]

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