Ein Produktpaket à la SKY in Photoshop gestalten

von Martin Vogler

Ein Produktpaket à la SKY in Photoshop gestalten

Digitale Angebote und Dienstleistungen attraktiv zu präsentieren, ist nicht so einfach. Schnöde Aufzählungslisten können Erlebnisse und Emotionen einfach nicht gut transportieren. Sehen wir uns an, wie es der Pay-TV-Sender SKY macht. Dieser präsentiert seine TV-Pakete einfach als strahlende 3D-Päckchen – eine moderne und visuell ansprechende Lösung. Ich zeige Dir in diesem Artikel, wie Du attraktive Angebotspakete in Photoshop schnüren kannst.

Dieses Urlaubspakete-Composing wurde alleine mit Photoshop erstellt. Dieser Artikel erläutert die Arbeitsschritte.

 

Anbieter von Dienstleistungen und digitalen Angeboten stehen oft vor der schwierigen Aufgabe, ihre Angebote visuell spannend und greifbar darzustellen. Sie haben kein physisches Produkt, das sie zeigen können, sondern nur eine Liste mit Nutzen- und Leistungsversprechen. Diese wird dann in der Regel als (virtuelles) »Paket« präsentiert und verkauft.

Aber wie soll man solche Pakete visuell spannend und eingängig präsentieren? Es sind also visuelle Ideen gefragt. Der Pay-TV-Sender SKY hat für sich, wie ich meine, eine sehr ansprechende Lösung gefunden, die noch dazu sehr gut mit der versprochenen und verkauften Leistung harmoniert.

Die TV-Pakete werden von SKY als glänzende Würfel präsentiert. (Bild: Sky-Angebote)

 

Eine Glasschrift im Stil von SKY gestalten

Dieser Artikel erläutert, wie Du eine Schrift mit einem Glaseffekt gestaltest, der auch Refraktionen besitzt.

Verfolgt man aktuelle Anzeigen und TV-Spots, dann sieht man, dass es inzwischen durchaus üblich ist, Dienstleistungen und Software-Produkte in virtuelle Verpackungen zu stecken. Ein weiteres Beispiel liefert Aldi-Talk – natürlich auch visuell auf das Notwendigste reduziert.

Auch Aldi setzt auf Würfel. (Bild: Aldi-Talk)

 

Die »Aldi-Lösung« könnte man noch relativ einfach und schnell mit den klassischen Photoshop-Funktionen bauen. Das ist bei der »SKY-Lösung« nicht der Fall. Eine Umsetzung mit 2D-Funktionen wäre hier mit sehr viel Zeit verbunden und alles andere als einfach. Aber zum Glück gibt es ja in Photoshop eine eingebaute 3D-Funktionalität, die zwar wirklich nur die Basics beherrscht, aber wunderbar für kleine 3D-Effekte zu gebrauchen ist.

Dieses Tutorial als Video ansehen

Ich habe für diese Gestaltungsaufgabe (erstmals) auch eine Videoversion erstellt, die Ihr über Youtube ansehen könnt.

Video: Einen 3D-Angebotswürfel in Photoshop gestalten

 

Einen Würfel mit runden Ecken gestalten

Leider ist es mir nicht gelungen, einen Würfel mit runden Ecken alleine mit Photoshop zu erzeugen. Man kann nur zwei Arten von Würfeln »out of the box« generieren lassen.

Einen »geraden« Würfel in Photoshop erzeugen

Um einen Würfel mit spitzen Ecken zu erzeugen, öffne das 3D-Bedienfeld, aktiviere den Radiobutton Mesh aus Vorgabe und dann den Eintrag Würfel. Nach Klick auf Erstellen liegt der Würfel schon »wie aus dem Ei gepellt« in einer 3D-Ebene und kann gestaltet werden.

So ein Würfel ist schnell in Photoshop erstellt.

 

Binnen kürzester Zeit kann zumindest ein Würfel im »Aldi-Style« erstellt werden.

Einfach den Würfel drehen, die Würfelflächen mit Texturen füllen und rendern – fertig!

 

Einen »halbrunden« Würfel in Photoshop erzeugen

Auch kann man einen Würfel mit halbwegs runden Ecken erzeugen. Erstelle dazu mit dem Abgerundetes-Rechteck-Werkzeug ein Rechteck mit runden Ecken und wähle im 3D-Bedienfeld diesmal den Eintrag 3D-Extrusion.

Aber schnell wird klar: Darüber lässt sich nur ein Würfel erzeugen, der auf der Vorderseite abgerundet ist – ist okay, aber nicht ganz das, was wir eigentlich wollen.

Eine Art Würfel, der über 3D-Extrusion erzeugt wurde

 

Die Lösung: ein fertiges 3D-Modell beschaffen

Im 3D-Warehouse von Sketchup, einem Google-Tool, kann man den einen oder anderen Würfel mit abgerundeten Ecken erspähen. Um einen davon in Photoshop nutzen zu können, musst Du ihn nur herunterladen und dann in Sketchup, einer kostenlosen 3D-Software, in eine obj-Datei konvertieren.

Suchergebnis: abgerundete Würfel im 3D-Warehouse

 

Einen 3D-Fußball in Photoshop einbauen

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du in Photoshop einen 3D-Fußball integrierst. Dabei gehe ich auch darauf ein, wie man eine Sketchup-Datei in das obj-Format bringt.

Ich habe dann letztendlich auf einer Blogseite (http://acceleroto.com/) einen abgerundeten Würfel entdeckt, der kostenlos zum Download bereitgestellt wird. Der Autor wünscht im Fall einer professionellen Nutzung lediglich, darüber informiert zu werden, wie/für was der Würfel genutzt wurde.

Glück gehabt, auf dieser Webseite findet sich genau so ein Würfel, wie ich ihn benötige.

 

Das Runde-Würfel-Paket in Photoshop gestalten

Nun wollen wir uns endlich ansehen, wie wir aus dem runden Würfel in Photoshop ein Angebotspaket erstellen.

1. Lege eine neue Photoshop-Datei an. Meine hier verwendete Arbeitsdatei hat eine Größe von 1600 × 900 Pixeln.

2. Ziehe die obj-Datei des Würfels einfach in das Programmfenster von Photoshop. Daraufhin musst Du die Größe der 3D-Szene einstellen. Theoretisch könntest Du hier ein riesiges Objekt anlegen. In meinem Fall entscheide ich mich für eine Kantenlänge von 10 cm.

Einstellung der Größe

 

3. Nach Klick auf OK liegt der Würfel auch schon in einer 3D-Ebene.

Das 3D-Objekt wurde erstellt.

 

Gestalten mit den 3D-Werkzeugen von Photoshop

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du die 3D-Werkzeuge von Photoshop kreativ einsetzt. Dabei lernst Du auch die einzelnen Tools genauer in der Praxis kennen.

4. Drehe die Kamera in die gewünschte Position. Nutze dazu das 3D-Kamera-kreisen-Werkzeug . Bevor Du aber mit dem Drehen loslegst, ein wichtiger Hinweis. Ist das 3D-Objekt markiert, drehst Du damit das 3D-Objekt. Ist dagegen nichts markiert, dann drehst Du die Kamera. Als kleine visuelle Hilfe erhält das Fenster einen goldenen Rahmen, wenn nichts markiert ist.

Es ist nichts markiert. Das erkennt man daran, dass das Fenster einen goldenen Rahmen besitzt.

 

5. Folgende Kamera-Koordinaten habe ich bei mir eingestellt:

  • x-Position: -15,63
  • y-Position: 4,32
  • z-Position: 28,15
  • x-Winkel: 0°
  • y-Winkel: -29,2°
  • z-Winkel: 0°

Die Kamera wurde in Position gebracht. Wichtig: Der Würfel bleibt unbewegt.

 

Leider ist es bei dem von mir verwendeten Würfelmodell nicht möglich, jede Würfelseite einzeln zu gestalten. Allerdings ist es bei diesem Gestaltungsziel auch nicht zwingend notwendig.

6. Um für den Würfel eine Textur einzustellen, markiere seine Fläche im 3D-Bedienfeld. Klicke dann im Eigenschaften-Bedienfeld bei Objektfarbe auf Textur ersetzen.

Eine Textur zuweisen

 

7. Jetzt wirst Du aufgefordert, eine Datei zu wählen, welche als Textur geladen werden soll. Das Gute dabei ist: Dies kann auch eine Photoshop-Datei mit Ebenen (.psd) sein! Damit kannst Du später also relativ schnell neue Texturen einbauen oder vorhandene Texturen ändern.

Ich habe im Vorfeld eine quadratische Photoshop-Datei mit einem (virtuellen) Reiseangebot erstellt. Diese sieht folgendermaßen aus:

Mein Reiseangebot lehnt sich in der Gestaltung ein bisschen an die SKY-TV-Pakete an – aber nur ein bisschen ;)

 

Nach Klick auf OK sieht es dann folgendermaßen aus:

Nach Ersetzen der Textur

 

Das Zwischenergebnis ist schon einmal recht brauchbar. Um den SKY-Glanzlook zu erzielen, müssen wir aber noch ein paar kleine Dinge anpassen.

8. Bleibe im Eigenschaften-Bedienfeld und stelle folgende Werte für das Material ein:

  • Glanzstärke: 100 %
  • Spiegelung: 14 %
  • Rauheit: 0 %
  • Bump: 59 %
  • Deckkraft: 100 %
  • Brechung: 1,475

Die Material-Eigenschaften wurden weiter angepasst.

 

9. Um den Würfel ein wenig mehr glänzen zu lassen, erstelle als Vorbereitung eine neue Photoshop-Datei, in der Du

  • den Wolkenfilter mit Vorder- und Hintergrundfarbe Schwarz und Weiß anwendest,
  • das Ergebnis weichzeichnest und schließlich
  • den Kontrast erhöhst.

Speichere sie als PSD-Datei ab. So sollte die Datei im Ergebnis ungefähr aussehen:

Warum dieses komische Gebilde? Dieses soll uns als Reflexionsmap dienen. Natürlich könnte man auch ein normales Foto verwenden. Allerdings habe ich festgestellt, dass sich über eine solche getrimmte Datei bessere Kantenreflexionen erzielen lassen.

 

Glanzeffekt mit Reflexionen: 1. Möglichkeit

Der erste mögliche Weg zum Ergebnis führt über die Material-Eigenschaften.

10. (a) Markiere im 3D-Bedienfeld die Textur-Ebene und klicke im Eigenschaften-Bedienfeld unten bei Umgebung den Eintrag Textur laden. Wähle im nachfolgenden Dialog die vorbereitete Reflexionsmap.

Eine Umgebungstextur einstellen

 

Danach erhalten wir einen mit Lichtreflexionen versehenen Würfel..

Das nächste Zwischenergebnis

 

Glanzeffekt mit Reflexionen: 2. Möglichkeit

Eine noch etwas flexiblere Möglichkeit bietet die Umgebungseinstellung. (Falls Du diesen Schritt ausprobieren möchtest, mache den vorigen (10 a) rückgängig.)

10. (b) Wähle im 3D-Bedienfeld den Eintrag Umgebung. Klicke dann im Eigenschaften-Bedienfeld bei IBL rechts auf das kleine Dokumenten-Symbol und wähle die Umgebungstextur. Danach schiebe einfach im Bild mit der Maus, um die Umgebungstextur Deinen Wünschen entsprechend zu positionieren.

11. Triff zudem folgende weitere Einstellungen:

  • Verringere die Intensität auf »72 %«. Je nach Motiv empfehlen sich andere Werte.
  • Stelle beim Schatten eine Deckkraft von »60 %« ein.
  • Die Spiegelungen (Bodenspiegelung) erhalten eine Intensität von »56 %«.

Einstellungen für die Umgebung

 

12. Schließlich ändere noch die Position der Lichtquelle Deinen Wünschen entsprechend. Dies erledigst Du über eine 3D-Kugel, die erscheint, sobald Du im 3D-Bedienfeld die Lichtquelle markiert hast. Bei mir kommt das Licht ziemlich gerade von vorne.

Einstellung der Lichtquelle

 

13. Damit ist soweit alles erledigt und Du kannst den Angebotswürfel rendern. Drücke dazu einfach den Rendern-Button im 3D-Bedienfeld.

Nach einer gewissen Wartezeit präsentiert sich uns ein formvollendeter Angebotswürfel.

Der fertig gerenderte Angebotswürfel

 

Weitere Würfel hinzufügen

Ein Angebotspaket-Composing wie das von SKY (siehe oben) zu arrangieren, ist dann nur noch mit ein wenig Stehvermögen verbunden. Ich möchte daher den Weg nur kurz skizzieren.

1. Damit genügend Platz entsteht, erweitere die Arbeitsfläche ein deutliches Stück über den Menübefehl Bild → Arbeitsfläche.

2. Markiere das Objekt im 3D-Bedienfeld.

3. Wähle aus dem Bedienfeldmenü den Befehl Objekt duplizieren.

Das erste 3D-Objekt duplizieren

 

4. Verschiebe das duplizierte Objekt (erst einmal nur) auf der Bodenebene. Dazu markierst Du es, aktivierst den Horizontal-verschieben-Button und ziehst über die Arbeitsfläche. Achtung: In diesem Fall ist es wichtig, dass das Objekt markiert ist.

Das zweite Objekt wurde horizontal verschoben.

 

5. Ersetze beim zweiten Objekt das Texturbild.

Die Textur wurde beim zweiten Objekt ersetzt.

 

6. Erzeuge weitere Würfel, verschiebe sie horizontal oder vertikal, und ersetze bei jedem Würfel das Texturbild durch ein anderes. Nach getaner Arbeit könnte es dann so aussehen:

Alle Würflein sind schon da ...

 

7. Passe nun noch die Kameraposition an. Ich habe die Kamera ein bisschen gedreht, um die Entfernung zu den weiter hinten liegenden Würfeln zu verringern, damit auch deren Inhalt gleichermaßen wahrgenommen werden kann.

Dann heißt es so richtig zu warten. Der anschließende Render-Vorgang verschlang bei mir satte 55 Minuten. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen, wie ich meine.

Das fertige Urlaubspaket-Composing. Die Bodenreflexion wurde über eine Ebenenmaske eingedämmt.

 

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