Photoshop für das iPad – Einführung in die mobile Version von Adobe Photoshop

von Martin Vogler

Photoshop für das iPad – Einführung in die mobile Version von Adobe Photoshop

Photoshop für das iPad – Einführung in die mobile Version von Adobe Photoshop

Als Adobe im letzten Jahr eine Photoshop-Vollversion für das iPad angekündigt hat, sorgte das bei vielen Anwendern für eine gespannte Vorfreude. Nun wurde die iPad-Version (»Photoshop Mobile«) von Photoshop offiziell im Appstore freigegeben. Wir stellen sie nachfolgend vor und zeigen, wie man sie bedient und welche Möglichkeiten Version 1.0.1 bietet.

Dieses von Adobe für die iPad-Version erstellte Übungsbild symbolisiert sehr schön, wohin die Reise auf dem iPad hingeht – nämlich in die Cloud. In diesem Artikel erläutern wir die Möglichkeiten der frisch erschienenen Version 1.

 

Inhalt des Artikels

 

Als Video ansehen

Video: Photoshop für das iPad – Kleine Einführung

 

Vorbemerkungen

Warum wird überhaupt eine »Vollversion« von Photoshop für Mobilgeräte entwickelt? Es ist ja keineswegs so, dass man nicht schon jetzt auch unterwegs an Photoshop-Projekten arbeiten könnte. Die Desktop-Version von Photoshop läuft auf Apple-Macbooks, Windows-Notebooks und sogar auf älteren Surface-Tablets ohne Probleme.

Dank der immer leistungsfähigeren Tablets hat aber in den letzten Jahren eine neue Entwicklung eingesetzt. Zunehmend mehr Anwender versuchen, komplett auf einen PC zu verzichten und alles mit dem Tablet zu erledigen. Auch Apple hat das erkannt und mit dem iPadOs 13 viele Hindernisse beseitigt, die bislang das Aufbauen einer vollwertigen Arbeitsumgebung verhindert hatten.

Wenn man dann noch bedenkt, dass das iPad Pro dank Stift und hervorragendem Display beste Voraussetzung für die Bildbearbeitung bietet, ist es nur allzu logisch, dass Adobe nun auch hier eine umfassende App für die Bildbearbeitung anbieten und den Markt nicht komplett Wettbewerbern, wie Affinity Photo und ProCreate, überlassen möchte.

Es rückt zudem eine neue Generation von Kreativen nach, die von ganz anderen Gewohnheiten und Erwartungen geprägt sein werden. Diese genau zu kennen, ist Voraussetzung für eine gern genutzte und damit erfolgreiche App. Daher fragt Adobe direkt nach und bittet auf der Startseite der iPad-App, Funktionswünsche mitzuteilen.

Das Entwicklerteam bittet auf der Startseite der iPad-Version um Feedback und Funktionswünsche.

 

Tippt man auf den Button Funktion vorschlagen, erhält man eine Liste mit Funktionen, die bereits in Arbeit sind und in Kürze für das iPad erscheinen sollen. Ein Blick auf Liste lässt bereits erahnen, dass die iPad-Version erst ganz am Anfang steht ...

Das Entwicklerteam gibt einen Ausblick auf in Kürze erscheinende Funktionen. Da erahnt man bereits, dass die iPad-Version noch ganz am Anfang steht.

 

Ein weiterer Fingertipp auf Funktion vorschlagen führt dann in die Adobe Community und man kann sich Wünschen und Meinungen anschließen oder neue Diskussionen starten.

Hier kann man sich über Photoshop Mobile austauschen und Diskussionen anstoßen.

 

Eine große Herausforderung

Bereits 2015 wurde das Entwicklerteam damit beauftragt, im Geheimen zu prüfen, ob sich der Quellcode von Photoshop, der in Teilen ja bald 30 Jahre auf dem Buckel hat, überhaupt in eine Mobilversion übernehmen lässt. Am Ende fand man dann tatsächlich eine Lösung für dieses anscheinend sehr schwierige Vorhaben. Sonst wäre das Ganze wohl abgeblasen worden, da ein nahtloses Zusammenarbeiten von Desktop- und Mobilversion von essenzieller Wichtigkeit ist.

Wie versprochen wurde die iPad-App dann auf der Adobe Max 2019 vorgestellt. Die erste Version ist nun seit einer Woche im Appstore erhältlich, und viele Anwender zeigen sich aufgrund des geringen Funktionsumfangs enttäuscht. Adobe weist aber darauf hin, dass man zum Start bewusst keine überladene Version präsentieren, sondern sich erst einmal auf Kernfeatures für die Retusche und das Composing konzentrieren wollte.

Ob die häppchenweise Entwicklung tatsächlich von Anfang an geplant war oder die Komplexität des Vorhabens zu dieser Vorgehensweise gezwungen hat, spielt im Endeffekt keine Rolle. Es ist, wie es ist, und wir stellen einfach das vor, was aktuell geboten ist.

Auf welchen iPads läuft Photoshop Mobile?

Photoshop Mobile soll laut Adobe auf allen iPads laufen, auf denen iPadOs 13 installiert ist.

 

Erste Schritte in Photoshop Mobile

Nach dem Öffnen der App befindet man sich wie bei der Desktop-Version von Photoshop auf einer Startseite. Von hier aus kann man neue Dokumente anlegen, neue Dokumente öffnen oder bereits angelegte Dokumente weiterbearbeiten.

Die Startseite der iPad-App ist wie die Startseite der Desktop-Applikation aufgebaut.

 

Eine wichtige Rolle für das komfortable Zusammenspiel von Mobil- und Desktopversion spielt das neue Dateiformat Cloud-Dokument, auf das wir bereits bei der Vorstellung der Neuerungen von Photoshop CC 2020 eingegangen sind. Dabei handelt es sich um Dokumente, die nicht lokal sondern in der Cloud gespeichert werden. Sie werden auf der Startseite nach Klick auf den entsprechenden Button angezeigt.

Anzeige der Cloud-Dokumente

 

Über den Button Import und öffnen kann man auch Dateien aus anderen Quellen öffnen – Aufnahmen der Kamera, auf dem iPad gespeicherte Fotos und Bilder, die auf Cloud-Servern, wie der Adobe-eigenen Creative Cloud, gespeichert sind.

Das Öffnen von Bildern aus anderen Quellen wurde zumindest schon einmal eingerichtet.

 

Damit scheint zumindest einmal der Weg geöffnet, die App auch für die Bearbeitung von lokal oder bei anderen Cloud-Anbietern gespeicherten Bildern nutzen zu können.

Es können auch Dateien aus Cloud-Angeboten geöffnet werden.

 

Bei Version 1.0.1 habe ich hin und wieder das Problem, dass viele Bilddateien, die in der Creative Cloud gespeichert sind, nicht geöffnet oder erst gar nicht in den Ordnern angezeigt werden. Es erscheint eine Fehlermeldung. Bei einigen wenigen Ordnern funktioniert es aber komischerweise.

Der Versuch, eine JPEG-Datei aus der Creative Cloud zu öffnen, wird mit einer satten Fehlermeldung quittiert.

 

Hat man eine Bilddatei von einem Cloud-Service geladen, zum Beispiel als JPEG-Datei, wird diese automatisch als Cloud-Dokument, also als .psdc-Datei gespeichert und ist dann auch in der Desktop-Version abruf- und weiterbearbeitbar. Eine Wahlmöglichkeit, das Dokument nur lokal zu speichern, so wie bei Photoshop, gibt es (noch) nicht.

Ohne dass gefragt wird, wird eine geöffnete JPEG-Datei als Cloud-Dokument angelegt.

 

Allerdings gibt es dann beim Weiterbearbeiten und Speichern des Dokuments in der Desktop-Version manchmal Probleme, und es wird behelfsweise ein weiteres Cloud-Dokument angelegt.

Das zunächst auf dem iPad automatisch angelegte Cloud-Dokument wird von der Desktop-Version verschmäht.

 

Und Lightroom-Fotos?

Auf Lightroom-Fotos kann in Photoshop mobile Version 1.0.1 noch nicht zugegriffen werden.

Das Anlegen eines neuen Dokuments funktioniert dagegen ohne Probleme und so, wie man es von der Desktop-Version her kennt. Dazu tippt man auf den Button Neu erstellen .

Ein vertrauter Anblick: der Dialog für das Anlegen eines neuen (Cloud-)Dokuments

 
 

Aufbau der Benutzeroberfläche

Die Benutzeroberfläche besitzt eine relativ große Verwandtschaft zur Desktop-Version. Die einzelnen Bereiche werden sicher im Laufe der Zeit noch um weitere Funktionen ergänzt und vermutlich auch immer mal wieder umorganisiert.

1.Über den Home-Button gelangt Ihr zur Startseite und könnt auf dieser zu anderen Dokumenten wechseln oder neue Dokumente erstellen und laden.

2. Die Werkzeugleiste links stellt wie bei Photoshop Funktionen für das Auswählen und Bearbeiten von Ebeneninhalten zur Verfügung.

3. Die Kopfleiste oben wird im Moment nur für das Anzeigen des Dokumentennamens und des Zoomfaktors genutzt.

4. Rechts oben könnt Ihr Schritte rückgängig machen, Hilfsinformationen aufrufen und Dokumente exportieren sowie teilen.

5. Der rechte Teil des Appfensters ist Bedienfeldern, Funktionsdialogen und Standard-Programmbefehlen vorbehalten. Auch hier sind in Zukunft noch einmal größere Umgestaltungen wahrscheinlich und nebenbei bemerkt auch wünschenswert.

6. Beim runden Kreis handelt es sich um einen speziell für die Touchbedienung entwickelten Programmteil (Touch-Shortcuts), mit dem Verhaltensweisen von Werkzeugen gesteuert werden.

Der Aufbau der iPad-App orientiert sich am gewohnten Aufbau von Photoshop.

 
 

Ebenen in »Photoshop mobile«

Folgende Ebenentypen werden in Photoshop mobile Version 1.0.1 unterstützt:

  • Pixelebenen
  • Textebenen
  • Einstellungsebenen
  • Ebenengruppen

Smartobjekte werden noch nicht unterstützt, sollen aber bald eingeführt werden. Das wäre ein extrem wichtiger Schritt, denn Smartobjekte sind eine unheimlich wichtige Kerntechnologie und Grundlage für nichtdestruktive Workflows. Solange sie also nicht unterstützt werden, werden wohl viele Photoshop-Anwender nicht viel mit der Mobilversion anfangen können (und wollen).

Ebenen werden auch bei Photoshop mobile in einem Ebenen-Bedienfeld verwaltet – genau genommen in zwei verschiedenen. Hier mussten die Entwickler vermutlich zweigleisig fahren, um auch bei kleineren Displays (z. B. bei einem iPad Mini) bei ausgeklapptem Bedienfeld eine akzeptable Arbeitsflächengröße zu haben.

 

Das platzsparende Ebenen-Bedienfeld

In der platzsparenden Variante, die Ihr über den obersten Button auf- und zuklappt, werden die Ebenen als kleine Miniaturansichten dargestellt.

Die Miniversion des Ebenen-Bedienfelds schafft Platz für die Arbeitsfläche.

 

Über die rechts daneben platzierten Buttons könnt Ihr grundlegende Operationen an der Ebene durchführen, sie also

  • ein- und ausblenden ,
  • mit einer Ebenenmaske versehen ,
  • mit anderen, ebenfalls markierten Ebenen, verbinden ,
  • eine Schnittmaske bilden
  • und sperren .

Wurde eine dieser Operationen auf eine Ebene angewendet und ist diese Ebene markiert, wird der entsprechende Button in blauer Farbe dargestellt. Eine markierte Ebene erkennt Ihr an einer blauen Umrandung.

Eine Ebenengruppe wird durch zwei Striche unterhalb der Ebene kenntlich gemacht. Doppelklickt Ihr auf diese, betretet Ihr die Ebenengruppe. Es ist dann nur der Inhalt der Ebenengruppe zu sehen. Klickt Ihr oben auf das Häkchen , verlasst Ihr sie wieder.

Ein paar Fallbeispiele für die Mini-Version des Ebenen-Bedienfelds:
1: Eine Ebenengruppe wurde markiert und ist dadurch blau umrandet. Ebenengruppen unterscheiden sich von Einzelebenen durch zwei Striche unterhalb der Miniatur.
2: Die Ebenengruppe wurde durch Klick auf den Augen-Button unsichtbar geschaltet.
3: Nach Doppeltippen auf die Ebenengruppe sind wir in der Ebenengruppe gelandet. Das erkennen wir an den beiden Punkten unten. Durch Klick auf das Häkchen oben können wir die Gruppe wieder verlassen.
4: Für die Einstellungsebene wurde eine Schnittmaske erstellt. Die Miniatur wird dadurch eingerückt und das Schnittmasken-Symbol blau gefärbt. Durch Tippen auf dieses blaue Symbol könnte man die Schnittmaske entfernen.
5: Man kann bei der Textebene anhand der blau gefärbten Symbole, aber auch anhand kleiner Icons innerhalb der Miniatur, sehen, dass sie aktuell nicht sichtbar und mit einer anderen Ebene verbunden ist.

 
 

Das erweiterte Ebenen-Bedienfeld

Es gibt aber auch eine normale, quasi erweiterte Version, die wie die Desktopversion auch Platz für eine Beschriftung sowie Masken-Miniaturen bietet und den Inhalt von Ebenengruppen zugleich anzeigen kann. Diese Version öffnet Ihr durch Klick auf den Ebenen-Button mit den drei Strichen .

Die erweiterte Version des Ebenen-Bedienfelds bietet die gewohnte Übersichtlichkeit, beansprucht aber auch mehr Platz.

 

Folgendermaßen arbeitet Ihr mit diesem Ebenen-Bedienfeld:

  • Ihr verschiebt Ebenen, indem Ihr auf eine Ebene tippt, wartet, bis sie leicht angehoben wird, und sie an die gewünschte Stelle zieht.
  • Ihr markiert mehrere Ebenen, indem Ihr
    ⇒ entweder den Befehl Mehrfachausw.Mod. starten wählt, der sich hinter dem Drei-Punkte-Button links verbirgt, danach bei den zu markierenden Ebenen Häkchen setzt,
    ⇒ oder bei aktiviertem Verschieben-Werkzeug den primären Touch-Shortcut aktiviert, also auf den transparenten Kreis tippt, ihn getippt haltet und dabei die zu markierenden Ebenen antippt.

    Mehr zu den primären Touch-Shortcuts erfahrt Ihr übrigens weiter unten im Abschnitt »Benutzung der Werkzeuge«.

Die Markierung mehrere Ebenen erfolgt entweder schnell durch Gedrückt-Halten des primären Shortcuts (transparenter Kreis) oder über den Mehrfachauswahl-Befehl. Bei letztgenanntem werden vor den Ebenen Kästchen zum Aktivieren platziert.

 
  • Ihr könnt eine Ebene umbenennen, indem Ihr doppelt auf den Ebenennamen tippt.

Umbenennung einer Ebene

 
  • Viele Ebenenoperationen verstecken sich leider hinter einem Drei-Punkte-Button . So könnt Ihr zum Beispiel eine Ebene nur löschen, indem Ihr in diesem Menü den Befehl Ebene löschen wählt.

Das Löschen oder Sperren einer Ebene ist erst möglich, nachdem man durch Tippen auf den Drei-Punkte-Button ein Menü geöffnet hat.

 
  • Eine neue leere Ebene erstellt Ihr durch einfaches Tippen auf den Plus-Button . Wenn Ihr diesen Button länger gedrückt haltet, öffnet sich ein kleines Menü. In diesem könnt Ihr nicht nur eine neue Ebene erstellen sondern auch eine neue Einstellungsebene und eine neue leere Gruppe.

Erstellung einer neuen Ebene

 
  • Folgende Korrekturen (Einstellungsebenen) können in Version 1.0.1 angelegt werden:

    Helligkeit/Kontrast
    Schwarzweiß
    Farbbalance
    Belichtung
    Farbton/Sättigung
    Tonwertkorrektur
    Dynamik

    Gradationskurven
    können noch nicht erstellt und editiert werden. Allerdings wird die Wirkung einer zuvor in der Desktop-Version angelegten Gradationskurven-Einstellungsebene bereits erkannt, was man prüfen kann, indem man sie aus- und wieder einblendet.

Das Anlegen einer Einstellungsebene erfolgt über ein Submenü.

 
  • Besitzt die Ebene eine Ebenenmaske, könnt Ihr diese gezielt bearbeiten, indem Ihr die Miniatur der Ebenenmaske antippt. Sie erhält dann einen blauen Rahmen. Tippt Ihr doppelt auf die Miniatur, wird die Maske als Graustufendatei angezeigt.

Durch doppeltes Tippen wird die Maske als Graustufendatei angezeigt.

 
 

Ebeneneigenschaften

Die Ebeneneigenschaften könnt Ihr über den Regler-Button einblenden, der sich unter den Buttons für die Ebenen-Bedienfelder befindet. Wie bei der Desktop-Version orientieren sich die angebotenen Einstellungen am Inhalt der Ebene.

  • Bei jeder Ebene einstellbar sind die Deckkraft und die Füllmethode.
  • Bei einer Textebene könnt Ihr Schriftart, Schriftgrad, Farbe und Absatz-Ausrichtung anpassen.
  • Bei Einstellungsebenen finden sich die aus der Desktop-Version bekannten Regler. Es werden aber noch nicht alle Detaileinstellungen unterstützt.
  • Wird ein Ebenentyp nicht unterstützt, gibt es einen Hinweis im Bedienfeld.
  • Die Höhe des Ebeneneigenschaften-Bedienfelds kann durch Ziehen am kleinen Griff, eine kurze Linie, die sich am oberen Rand befindet, verändert werden.

Je nach Ebenentyp ändern sich die Einstellmöglichkeiten im Ebeneneigenschaften-Bedienfeld:
1: Bei allen Ebenen sind Deckkraft und Füllmethode einstellbar.
2: Die Einstellmöglichkeiten für Textebenen halten sich noch in Grenzen.
3: Die Einstellungen bei Einstellungsebenen, hier die Tonwertkorrektur, beschränken sich auf das Wesentliche.
4: Smartobjekte werden noch nicht unterstützt.
5: Zwar werden auch Gradationskurven-Einstellungsebenen noch nicht unterstützt, jedoch bereits erkannt.

 
 

Ebeneneffekte und Filter

Ebeneneffekte gibt es noch nicht. Hinter dem Effekte-Button verbergen sich ein paar Filter, genau genommen zwei: Gaußscher Weichzeichner und Umkehren. Diese wirken zudem destruktiv, da noch keine Smartobjekte unterstützt werden, was sich aber in Kürze ändern soll.

Das Effekte- und Filterangebot fällt noch etwas spärlich aus.

 
 

Zwischenfazit

Das Arbeiten mit Ebenen geht nach einer gewissen Eingewöhnungsphase einigermaßen gut von der Hand. Dennoch gibt es ein paar (ärgerliche) Dinge, die das schnelle Arbeiten verhindern und benutzerfreundlicher gelöst sein könnten:

So wird das Augensymbol bei aktiven Ebenen ausgegraut und bei inaktiven Ebenen gehighlighted – ein klarer Usabilty-Verstoß. Zudem befindet sich das Augensymbol auf der ungewohnten rechten Seite und verschmilzt mit den Buttons der rechten Leiste. Dadurch ist es manchmal sehr schwer zu erkennen, welche Ebenen ein- und ausgeblendet sind. Hier sollten sich die Entwickler an der Desktop-Version orientieren und das Augensymbol links von der Miniatur platzieren. Der Platz dafür wäre vorhanden.

Das Löschen und Anlegen neuer Ebenen kann unnötigerweise nur über ein Menü erledigt werden. Dabei wäre unten oder an der Seite genug Platz, um Buttons für das Löschen von Ebenen sowie das Anlegen von Ebenengruppen und Einstellungsebenenzu platzieren, so wie bei der Desktop-Version.

 

Die Werkzeuge von »Photoshop mobile«

 

Überblick

Die Werkzeuge sind links in einer Werkzeugleiste organisiert. Bei der Auswahl eines Werkzeugs gilt grundsätzlich folgende Bedienlogik:

  • Einmal Tippen: Aktivierung des Werkzeugs und der Werkzeug-Einstellungen
  • Zweimal Tippen: Ausklappen der Werkzeuggruppe und Wahlmöglichkeit eines in derselben Werkzeuggruppe beheimateten Werkzeugs. Ein kleines Dreieck rechts unterhalb eines Werkzeugs zeigt an, dass es eine Werkzeuggruppe mit anderen Werkzeugen gibt. Bei den Pinsel- und Radier-Werkzeugen klappt ein doppeltes Tippen die Liste mit den Pinselspitzen aus.

Folgende Werkzeuge stehen von oben nach unten aktuell (Version 1.0.1) zur Verfügung:

  • Verschieben-Werkzeug
  • Transformieren-Werkzeuge:
    ⇒ Skalieren-Werkzeug
    ⇒ Neigen-Werkzeug
    ⇒ Verzerren-Werkzeug
    ⇒ Perspektivisch-Verzerren-Werkzeug
  • Auswahl-Werkzeuge:
    ⇒ Lassoauswahl-Werkzeug
    ⇒ Schnellauswahl-Werkzeug
    ⇒ Rechteckauswahl-Werkzeug
    ⇒ Ellipsenauswahl-Werkzeug
  • Pinsel-Werkzeug
  • Radierer-Werkzeug
  • Korrektur-Werkzeuge:
    ⇒ Bereichsreparatur-Werkzeug
    ⇒ Klonstempel-Werkzeug
  • Freistellungs-Werkzeug
  • Text-Werkzeug
  • Platzieren-Werkzeug
  • Pipette-Werkzeug
  • Farbfelder
 

Touch-Shortcuts

Ein Apple-Stylus ist für die Benutzung der Werkzeuge nicht zwingend erforderlich, ermöglicht aber eine weitaus schnellere und genauere Steuerung.

Solltet Ihr das iPad ohne Tastatur benutzen, könnt Ihr natürlich bei der Benutzung von Werkzeugen nicht auf die vertrauten Tastaturtasten zugreifen, um Shortcuts anzuwenden. Als Alternative werden die sogenannten Touch-Shortcuts angeboten, welche über einen transparenten Kreis erreichbar sind, der links unten platziert ist. Diese funktionieren folgendermaßen:

  • In den Kreis tippen und getippt halten: Es wird die primäre alternative Funktionsweise aktiviert.
  • In den Kreis tippen, nach außen in den umliegenden Kreis ziehen und dort getippt halten: Es wird die sekundäre alternative Funktionsweise aktiviert.

Hinter dem transparenten Kreis verbergen sich die Touch-Shortcuts.

 

Berührt man den Kreis mit dem Finger bzw. dem Stylus wird der Primär-Shortcut aktiviert. Welcher dies im Einzelnen ist, wird oben rechts angezeigt. Der Shortcut bleibt aktiv, solange die Berührung erfolgt.

 

Zieht man den Finger in den äußeren Kreis, wird der Sekundar-Shortcut aktiviert und auch dieser wird rechts oben angezeigt.

 

Bei den alternativen Funktionsweisen handelt es sich in der Regel um Verhaltensweisen, die man bei der Desktop-Version sonst über die Alt-, Strg,- oder Umschalt-Taste aktiviert. Ihr könnt diese gesammelt einsehen, indem Ihr rechts oben auf den Fragezeichen-Button tippt und den Befehl Touch-Shortcuts anzeigen wählt.

Wahl des Befehls Touch-Shortcuts anzeigen

 

Danach wird eine Liste mit den zurzeit verfügbaren Touch-Shortcuts angezeigt. Es gibt also auch bei der iPad-Version wieder einiges auswendig zu lernen, auch wenn die jeweils hinterlegten Aktionen, wie oben beschrieben, rechts oben angezeigt werden.

Die Liste der voreingestellten Touch-Shortcuts

 

So »fesch« die Kreis- und Ziehlösung auch anmutet – man hätte das Ganze meiner Meinung nach intuitiver lösen können: Warum blenden die Entwickler nicht einfach statt der unbenannten Kreise die Alt-, Strg- oder Umschalt-Taste als Felder ein und lassen diese wie gewohnt wirken?

Das würde einiges an Umdenkarbeit sparen, wenn man von der Tastaturversion zur Touch-Version und wieder zurück wechselt. Diese Zusatztasten sind sogar in der Desktop-Version für Nutzer von Windows-Tablets (z. B. Microsoft Surface) bereits angelegt worden, damit diese die gewohnten Tastenfunktionen auch ohne Tastatur nutzen können.

Bereits in der Desktop-Version kann das Fehlen einer Tastatur durch das Einblenden von Zusatztasten kompensiert werden.

 
 

Werkzeuge nutzen

Vorab nochmal der Hinweis, dass ich mich auf die Möglichkeiten von Version 1.0.1 beziehe.

 

Verschieben-Werkzeug

  • Im Moment kann lediglich die im Ebenen-Bedienfeld markierte Ebene verschoben werden. Es ist noch nicht möglich, Ebenen über die Arbeitsfläche zu markieren.
  • Der primäre Touch-Shortcut beschränkt die Bewegungsrichtung auf 45°-Winkel – wie das Halten der Umschalt-Taste bei der Desktop-Version. Entscheidend ist dabei, in welche Richtung man zuerst zieht. Alle anderen Richtungen sind dann blockiert.
  • Der sekundäre Touch-Shortcut wirkt wie die Alt-Taste und ermöglicht es, Ebenenduplikate aus Ebenen herauszuziehen.

Das Duplizieren von Ebenen funktioniert dank Touch-Shortcut sehr schnell.

 
 

Transformieren-Werkzeuge

  • Ihr könnt während des Transformationsvorgangs zwischen den verschiedenen Transformieren-Werkzeugen hin- und herwechseln. Diese werden in einem kleinen Optionsfeld eingeblendet.
  • Standardmäßig wird proportional, also unverzerrt, transformiert.
  • Der primäre Touch-Shortcut wirkt wie die Umschalt-Taste, ermöglicht also ein ungleichmäßiges Transformieren. Der sekundäre Touch-Shortcut wirkt wie die Alt-Taste und lässt die Transformation zentriert erfolgen. Die Wirkung beider Shortcuts zu vereinen, ist nicht möglich. Die Einführung der gewohnten Feststellpunkte könnte das Problem lösen.

Aktiviert Ihr den primären Touch-Shortcut, könnt Ihr Ebenen ungleichmäßig transformieren. Links befindet sich das Optionsfeld, in dem Ihr zu anderen Transformieren-Werkzeugen wechseln könnt.

 
  • Der Transformationsrahmen besitzt einen kleinen Hebel (genau genommen: eine Linie), den Ihr zum Drehen der Ebene nutzen könnt. Einen genauen Drehwinkel könnt Ihr eingeben, nachdem Ihr den Drei-Punkte-Button unterhalb der Werkzeug-Buttons gedrückt habt.
  • Eine Transformation wird durch Tippen auf die Arbeitsfläche oder den Fertig-Button rechts oben abgeschlossen.
  • Achtung: Da noch keine Smartobjekte eingeführt worden sind (Version 1.0.1), erfolgt die Transformation destruktiv, also verlustbehaftet.
  • Über Buttons rechts oben in der Kopfleiste ist es möglich, die Ebene vertikal oder horizontal zu spiegeln.

Über eine zusätzlich an den Transformationsrahmen angebrachte Linie mit Griffpunkt kann die Ebene gedreht werden. Rechts oben befinden sich die Buttons für das Spiegeln der Ebene.

 
 

Auswahl-Werkzeuge

  • Nach Anwendung eines Auswahl-Werkzeugs erhaltet Ihr die gewohnte Ameisenstraße (»Marching ants«) als Markierung.
  • Drückt Ihr den primären Touch-Shortcut, erfolgen die rechteckige und die elliptische Auswahl symmetrisch, durch den sekundären Touch-Shortcut von der Mitte aus. Ich hätte mir noch eine Taste gewünscht, durch die man die Auswahl während des Aufziehens verschieben kann, so wie das bei der Desktop-Version mit der Space-Taste möglich ist.
  • Möchtet Ihr eine getroffene Auswahl verschieben oder transformieren, drückt Ihr im Optionen-Menü, welches am unteren Rand platziert wurde, auf den Drei-Punkte-Button und drückt auf den Auswahl-transformieren-Button .
  • Über ein Optionsfeld, welches am unteren Rand platziert ist, könnt Ihr außerdem
    ⇒ die Auswahl aufheben
    ⇒ die Auswahl umkehren
    ⇒ aus der Auswahl eine Ebenenmaske erstellen oder
    ⇒ die Auswahl radieren , wodurch Bildpixel endgültig gelöscht werden
  • Auswahlen können nicht mit dem Dokument gespeichert werden. Als Notbehelf müsst Ihr sie also in Form von freigestellten Pixelebenen konservieren.
  • Es gibt noch einen Button Ähnliches auswählen , der die Auswahl erweitert, aber auf eine nicht nachvollziehbare Weise bzw. mit einer übernatürlichen Intelligenz.
  • Links befindet sich ein kleines Feld, über das Ihr festlegen könnt,
    ⇒ ob eine neu getroffene Auswahl hinzugefügt oder
    ⇒ abgezogen werden soll.
    ⇒ Es kann auch eine Schnittmenge mit einer vorhandenen Auswahl gebildet werden.
    ⇒ Durch Drücken des Drei-Punkte-Buttons öffnet sich ein kleines Submenü, in dem Ihr eine weiche Auswahlkante einstellen könnt.

Es wurde eine ellipsenförmige Auswahl angelegt.

 
 

Pinsel-Werkzeug und Radierer-Werkzeug

  • Im Unterschied zu den anderen Werkzeugen ruft ein doppeltes Tippen bei beiden Werkzeugen die Liste mit den verfügbaren Pinselspitzen auf.

Die Liste mit den Pinselspitzen öffnet sich durch ein doppeltes Tippen auf das Werkzeug-Icon.

 
  • Der primäre Touch-Shortcut aktiviert beim Pinsel-Werkzeug temporär (für die Dauer des Drückens) das Radierer-Werkzeug und umgekehrt. Der sekundäre Touch-Shortcut aktiviert das Pipette-Werkzeug .
  • Durch ein einfaches Tippen auf das Werkzeug-Icon öffnen sich die wichtigsten Pinseloptionen. Ihr könnt über diese Farbe, Größe, Transparenz und Weichheit der Pinselspitze einstellen. Nach Klick auf den Drei-Punkte-Button öffnet sich ein weiteres Submenü, in dem erweiterte Pinseleinstellungen wie Überblendmodus (Füllmethode), Rundheit, Winkel, Fluss und Glättung eingestellt werden können.

Die Einstellmöglichkeiten für die Pinselspitze entsprechen denen der Desktop-Version.

 
 

Füll-Werkzeug

  • Es gibt zwei Füllwerkzeuge, mit denen Ihr eine Ebene mit der eingestellten Vordergrundfarbe oder einem Farbverlauf zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe füllen könnt.
  • Man kann nur einen linearen Farbverlauf zwischen zwei Farben einstellen und den Farbverlauf auch nicht bearbeiten.
  • Ein Verlauf überdeckt die komplette Ebene, überschreibt also alle Pixel einer Ebene. Eine Farbfüllung überdeckt dagegen nur Pixel innerhalb eines voreingestellten Toleranzbereichs. Anders als bei der Desktopversion gibt es aber (noch) keine selbst einstellbare Toleranz.

Die Fläche wird nur bis zur voreingestellten und nicht änderbaren Toleranzgrenze mit einer festen Farbe gefüllt.

 
 

Korrektur-Werkzeuge

  • Der Bereichsreparatur-Pinsel funktioniert wie der Bereichsreparatur-Pinsel der Desktop-Version. Er eignet sich also gut dazu, kleine Bildfehler schnell mit einer passenden Pixelfüllung verschwinden zu lassen.

Entfernung eines Objekts mit dem Bereichsreparatur-Pinsel . Es ist zu empfehlen, Alle Ebenen aufnehmen zu aktivieren, damit man die überdeckende Fläche in eine leere Ebene bringen und somit nichtdestruktiv arbeiten kann.

 
  • Das Klonstempel-Werkzeug funktioniert wie das Kopierstempel-Werkzeug der Desktop-Version. Nach Klick auf den Quellen-Button im kleinen Optionsfeld kann man die Quelle, also den Startpunkt des Kopierbereichs, festlegen. Dies kann auch durch Drücken des Touch-Shortcuts erledigt werden.

Eine Person wurde mit dem Klonstempel-Werkzeug geklont.

 
 

Freistellungs-Werkzeug

Das Freistellungs-Werkzeug bietet wie bei der Desktop-Version die Möglichkeit, das Bild zu beschneiden. Dazu zieht Ihr an den Rahmenanfassern. Ihr könnt die Ebene beim Freistellen drehen, indem Ihr die Drehwinkel-Skala, die sich unter dem Freistellungs-Rahmen befindet, bewegt.

Standardmäßig können Höhe und Breite unabhängig voneinander eingestellt werden. Drückt Ihr den Touch-Shortcut, wird das Seitenverhältnis gesperrt und der Drehwinkel auf 15-Grad-Schritte festgesetzt, was bei der Desktop-Version dem Halten der Umschalt-Taste entspricht.

Der Sekundär-Touch-Shortcut wirkt wie die Alt-Taste bei der Desktop-Version und lässt die Rahmenbearbeitung zentriert erfolgen.

Bei Aktivierung des Freistellungs-Werkzeugs wird ein Rahmen mit Drehwinkel-Skala eingeblendet.

 
 

Text-Werkzeug

  • Tippt Ihr mit aktiviertem Text-Werkzeug auf die Arbeitsfläche, wird ein Punkttext erstellt.
  • Alternativ könnt Ihr einen Rahmen aufziehen und dadurch einen Absatztext erstellen.
  • Wie bei der Desktop-Version wird zunächst ein Lorem-ipsum-Text als Platzhalter eingefüllt.
  • Ihr könnt wie bei der Desktop-Version den Textinhalt durch doppeltes Tippen markieren.
  • Startet Ihr die Bearbeitung, öffnet sich automatisch die iPad-Tastatur und Ihr könnt direkt mit der Eingabe beginnen.

Die iPad-Tastatur wird für die Texteingabe aufgeklappt.

 
  • Es öffnet sich auch automatisch das Ebeneneigenschaften-Bedienfeld mit grundlegenden Einstellmöglichkeiten für den Text, wie Schriftart, Schriftgrad, Farbe und Absatz-Ausrichtung.

Für die Textgestaltung gibt es grundlegende Einstellmöglichkeiten.

 
 

Platzieren und Pipette

  • Wie auf der Startseite können mit dem Platzieren-Werkzeug Bilddateien als Ebenen im Dokument integriert werden. Diese können aus dem iPad-Speicher oder der Cloud stammen.
  • Die Bilddateien werden destruktiv als Pixelebenen und nicht als Smartobjekte platziert.

Pipette-Werkzeug

Mit dem Pipette-Werkzeug könnt Ihr wie bei der Desktop-Version der Arbeitsfläche Farben entnehmen und als Vordergrundfarbe einstellen. Im Optionsfeld besteht zudem die Möglichkeit, die Größe der Pixelfläche zu erhöhen, aus welcher die Farben generiert werden sollen.

Wahl einer Farbe mit dem Pipette-Werkzeug

 
 

Farben einstellen

  • Es gibt wie bei der Desktop-Version zwei Farbfelder , eines für die Vordergrund- und eines für die Hintergrundfarbe, obwohl im Moment nur die Vordergrundfarbe in der App verwendet wird.
  • Ihr könnt Vorder- und Hintergrundfarbe tauschen, indem Ihr die Farben mit dem Finger nach unten bzw. nach oben zieht.
  • Ein einfaches Tippen auf ein Farbfeld öffnet einen HSB-Farbregler. In diesem können Farbton, Sättigung und Helligkeit gezielt angepasst werden.

Einstellung der Vordergrundfarbe

 
 

Was geht noch nicht?

An dieser Stelle sind in lediglich ein paar der besonders wichtige Funktionen genannt, auf die man bei Version 1.0.1 von Photoshop mobile noch verzichten muss, die aber auf jeden Fall für ein ernsthaftes und produktives Arbeiten benötigt werden:

  • Drehung der Arbeitsfläche
  • Ebenenstile
  • Formebenen
  • Füllebenen
  • Smartobjekte
  • Filter/Smartfilter
  • Pfaderstellung
  • Kanäle
  • Farbfelder
  • Ausrichten-Befehle
  • Intelligente Hilfslinien
  • Protokoll
  • Aktionen
  • Hilfslinien und Raster
  • Abwedeln und Nachbelichten
  • Fläche füllen
  • Voreinstellungen
  • Manuelles/Lokales Speichern
  • Camera-Raw

Ein paar Funktionen sollen zwar in Kürze aufgenommen werden, wie zum Beispiel Smartobjekte, Farbfelder und Formen. Dennoch ist es noch ein weiter Weg zur vollumfassenden Bildbearbeitungs-App.

 

Problematisches Speicher-Management

Im Moment ist Photoshop mobile so angelegt, dass ein manuelles Speichern nicht vorgesehen ist. Alle Dateien, die man erzeugt oder öffnet, werden automatisch als Cloud-Dokument gespeichert und auf den Adobe-Server geladen. Ich halte dies aus mehreren Gründen für problematisch.

Zum einen zwingt man die Anwender damit, über das Internet zu arbeiten und ihr Datenvolumen kontinuierlich zu beanspruchen. Da eine Einstellmöglichkeit fehlt, die Synchronisierung nur bei einer WLAN-Verbindung zuzulassen, ist das – zumindest in Deutschland – ein teures Vergnügen. Photoshop-Dateien sind oft mehrere hundert Megabyte groß und müssen jedes Mal herunter- und hochgeladen werden. Das zähe Arbeiten in Zügen möchte ich mir erst gar nicht vorstellen. Und im Flugmodus gibt's schon gar kein Internet.

Zum anderen lässt man Anwendern keine andere Wahl, als (möglicherweise empfindliche) Daten in eine (ausländische) Cloud auslagern zu müssen. Natürlich ist nicht jede Grafikspielerei datenkritisch. Aber der Vorteil von Photoshop mobile soll ja sein, dass man auch an umfangreichen Hauptprojekten überall weiterarbeiten kann. Viele Anwender werden diese nicht in ein Cloud-Dokument umwandeln wollen. Aber Photoshop gibt es ja nicht nur in Europa. Möglicherweise wird dies in anderen Ländern weniger kritisch gesehen.

Wenn keine Internetanbindung vorhanden ist, kann also nicht gespeichert werden, zumindest nicht manuell. Dabei hat Apple gerade das iPad-Betriebssystem für das Anschließen externer Datenträger geöffnet. Davon sollten die Entwickler von Photoshop auch Gebrauch machen. Gebt den Anwendern die Möglichkeit, ihre Projekte schnell über USB laden und speichern zu können! Das beschleunigt das Arbeiten und schließt niemanden aus.

Unterm Strich macht Photoshop mobile im Moment noch keinen sehr vertrauenerweckenden Eindruck, was das Dateien-Management anbelangt. Arbeitet man zum Beispiel für eine längere Zeit (> 10 Minuten) nicht an einem Dokument, wird das Dokument einfach geschlossen. Angelegte Auswahlen und die Möglichkeit, Schritte wieder rückgängig zu machen, gehen damit verloren.

 

Fazit

Ich selbst hatte schon erwartet, dass Photoshop mobile anfangs längst nicht alle Möglichkeiten der Desktop-Version bieten würde, auch wenn man aufgrund der Ankündigung auf der Adobe MAX 2018 den Eindruck gewinnen musste, als sei es den Entwicklern tatsächlich gelungen, Photoshop als Vollversion auf das iPad zu bringen (»This ist not a Photoshop light application made for the iPad, this is real Photoshop!«). Damit hat man sich möglicherweise keinen Gefallen getan.

Denn das Projekt ist einfach unheimlich komplex.

  • Ein aus Tausenden von Einzelfunktionen bestehendes Programm,
  • das in Teilen auf einem uralten Code basiert (30 Jahre alt!),
  • muss von einer neuen Entwicklergeneration, die den Basiscode nicht geschrieben hat,
  • innerhalb von relativ kurzer Zeit,
  • in ein komplett neues Betriebssystem übersetzt und
  • auf kleineren Displays mit Finger- und Stylus-Steuerung bedienbar gemacht werden,
  • wobei alle Filter-, Effekt- und Farbeinstellungen identisch funktionieren/wirken müssen.

Da scheint nun selbst der »Platzhirsch« an seine Grenzen gestoßen zu sein. Daher ist es für mich nachvollziehbar, doch lieber wieder als »Bambi« anzufangen und Photoshop von Grund auf neu aufzubauen. Das ist auch eine gute Möglichkeit, sich von nicht mehr benötigten oder redundanten Funktionen zu befreien.

Der Ansatz, Photoshop mobile als Minimum Viable Product zu launchen, hat natürlich zur Folge, dass man leider noch nicht besonders viel damit machen kann. Ich muss ehrlich sagen: Version 1 ist für mich gefühlt noch eine Betaversion. Es lassen sich ein paar interessante Ansätze finden, aber unterm Strich fehlen zu viele Kernfunktionen, die man einfach braucht.

Auch bei der Benutzerführung gibt es ein paar Schwächen, die ich in diesem Artikel angesprochen habe. Und ob das Speichersystem von Anwendern akzeptiert wird, ist zumindest fragwürdig. Es wird also wohl noch länger dauern, bis ein Stand erreicht ist, der ein produktives Arbeiten und ein nahtloses Zusammenwirken mit der Desktopversion möglich macht.

Dennoch werde ich die Entwicklung weiter mit Interesse verfolgen und gerne über neue Meilensteine bei der Weiterentwicklung berichten. Denn die Möglichkeiten, die ein iPad mit Stylus für die Bildbearbeitung eröffnet, sind einfach sehr attraktiv. Das Arbeiten mit dem Apple-Stylus ist wirklich ein Gedicht. Kein Vergleich zum Stylus des Surface-Tablets. Deswegen wird die iPad-Version in Zukunft – zumindest bei einem Teil der Creative-Cloud-Kunden – an Bedeutung gewinnen.

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