Edle 3D-Logos ganz einfach in Photoshop gestalten

von Martin Vogler

Edle 3D-Logos ganz einfach in Photoshop gestalten

Photoshops 3D-Funktion ist nicht nur hilfreich, wenn man Objekte perspektivisch richtig in einer Szenerie platzieren möchte. Es können damit auch ganz ansehnliche Stand-alone-3D-Effekte erzielt werden. Ich zeige heute einen einfachen Goldeffekt, den man gut zum Beispiel für eine etwas plakativere Logo-Präsentation einsetzen kann. Ich zeige zwei verschiedene Wege – und das hat im wahrsten Sinne des Wortes auch einen Grund.

Dieser 3D-Look kann einfach mit Photoshop erzielt werden.

 

Dank der 3D-Funktionen von Photoshop stoßen die guten alten Texteffekte in eine neue Dimension vor. Musste man früher noch endlos an Transformationsrahmen zupfen und sich ausgefuchste Ebenenkompositionen einfallen lassen, wenn man Objekte perspektivisch korrekt und mit glaubhaftem Schattenwurf in ein Composing einbauen wollte, so hat es die heutige Photoshop-Generation dank eingebautem 3D doch ein bisschen einfacher.

Viele Anwender rümpfen die Nase, wenn es um das Thema »3D in Photoshop« geht. Die einen, weil die Möglichkeiten natürlich längst nicht so ausgereift sind wie von ausgewachsenen 3D-Programmen gewohnt. Die anderen, weil sie es dabei mit Begriffen und Funktionen zu tun bekommen, die ihnen mal so überhaupt nichts sagen wollen.

Für den nachfolgenden kleinen 3D-Effekt braucht es aber keine große Einarbeitung, denn er ist ganz einfach und schnell erstellt.

Welche Photoshop-Version?

Um diesen Effekt gestalten zu können, benötigst Du zumindest Photoshop CS6 Extended. Ich selbst arbeite im Moment mit Photoshop CC 2017.

Dieses Tutorial als Video ansehen

Ich habe auch wieder eine Videoversion erstellt, die Ihr über Youtube ansehen könnt.

Video: Goldenen 3D-Text in Photoshop erstellen

 

3D-Texteffekt: die (etwas) schnellere Variante

1. Lege in Photoshop eine neue Datei an. Meine hier verwendete Beispieldatei besitzt eine Größe von 1600 × 1200 Pixeln und eine weiße Hintergrundfarbe. Wandle die Hintergrundebene in eine normale Ebene um – das geht am schnellsten durch Klick auf das kleine Schloss-Symbol der Ebene . In älteren Photoshop-Versionen musst Du doppelt auf die Ebene klicken.

2. Erstelle Dein(en) Logo(text) oder platziere eine beliebige Form auf der Arbeitsfläche.

Ein Logotext wurde platziert.

 

3. Klicke mit der rechten Maustaste auf die Textebene und wähle den Befehl Neue 3D-Extrusion aus gewählter Ebene. Dadurch wird aus der Logo/Text- eine 3D-Ebene mit extrudiertem Text.

Nach der Extrusion

 

4. Klicke mit der rechten Maustaste auf die normale weiße Ebene und wähle diesmal aus dem Kontextmenü den Befehl Postkarte. Damit wird auch aus dieser Ebene eine 3D-Ebene, nämlich eine Art Wand innerhalb der 3D-Welt.

Aus dem Hintergrund wurde eine (3D-)Postkarte.

 

5. Markiere beide Ebenen und wähle 3D → 3D-Ebenen auf eine Ebene reduzieren. Alternativ könntest Du dafür auch den Befehl Ebene → Auf eine Ebene reduzieren oder Strg/Befehl + E drücken.

Photoshop errechnet nun eine neue 3D-Ebene und nimmt dafür das Beste aus beiden Welten: Die Postkarte bleibt erhalten und auch das extrudierte Logo – dieses wird aber einfach zentriert in die Postkarte gerammt!

Aus zwei unterschiedlichen 3D-Ebenen ist eine 3D-Ebene, ein »Mittelding«, entstanden.

 

Folgen der Verschmelzung

Das Ganze hat aber auch seinen Preis. Erstens gibt es ab sofort keine vernünftige Vorschau mehr – wenn Du Eigenschaften einstellst, dann werden sie nicht oder nicht richtig angezeigt, zum Beispiel Licht und Schatten. (Wobei ich mir auch nicht sicher bin, ob das nicht vielleicht auch an meiner Grafikkarte liegen könnte, mit Nvidia hat es Photoshop nicht so ...)

Außerdem fehlt auch die Möglichkeit, die Lichtquelle zu ändern. Allerdings kannst Du neue Lichtquellen erstellen, indem Du im 3D-Bedienfeld unten den Licht-Button drückst.

Ein Vorteil ist jedoch, dass der Text und die Kamera bereits für den 2D-Anblick perfekt zurechtgerückt worden sind. Natürlich könntest Du aber mit den 3D-Werkzeugen sowohl die Kamera als auch den Text in eine andere Position bewegen.

Du kannst Dir auch ohne On-the-fly-Vorschau relativ schnell ein Bild über die Wirkung der aktuellen Einstellungen machen. Drücke dazu einfach den Rendern-Button unten im 3D-Bedienfeld. Nach einer Minute siehst Du bereits, »wohin der Hase laufen wird«. Mit der ESC-Taste kannst Du den Rendervorgang dann wieder abbrechen.

Ein erster konkreter Eindruck entsteht schon nach kurzer Renderzeit.

 

Den Goldeffekt einstellen

Jetzt kannst Du noch nach Herzenslust mit den Material- und Szeneneigenschaften herumexperimentieren, um Dein Logo zu färben oder es zum Glänzen zu bringen. Ich zeige nachfolgend eine goldene Variante.

Schnellere Vorschau

Wie bereits erwähnt, ist es bei dieser Konstruktion nicht möglich, die Auswirkungen der Einstellungen einigermaßen gut beurteilen zu können. Es muss immer kurz »angerendert« werden. Da die Renderzeit maßgeblich mit der Größe der Datei zusammenhängt, könntest Du in der Ausprobierphase einfach die Datei deutlich verkleinern, zum Beispiel auf eine Breite von 400 Pixeln setzen. Das reicht für eine Beurteilung aus. Du siehst dabei auch gleich, ob das Logo aus der Entfernung bzw. bei kleinerer Skalierung wirkt. Eine erneute Vergrößerung ist übrigens ohne Qualitätsverlust möglich.

1. Damit sich das Logo nicht ganz so hoch über der Postkarte erhebt, schieben wir es nun ein bisschen weiter in die Postkarte hinein. Wähle dazu erst Aktuelle Ansicht und dann im Eigenschaften-Bedienfeld unter Ansicht den Eintrag Oben.

2. Markiere das Logo und bewege den Mauszeiger auf die blaue Pfeilspitze des Koordinatensystems. Sobald sich die Spitze gelb verfärbt, drückst Du die Maustaste und ziehst das Logo nach oben bzw. hinten.

Verschiebung des Logos nach hinten (Ansicht oben)

 

3. Markiere Aktuelle Ansicht und setze die Ansicht zurück auf Standard.

4. Stelle im 3D-Bedienfeld bei Deinem Logo in den Abschnitten

  • Material – Aufgeblasene Vorderseite [...]
  • Material – Vorderseite [...] und
  • Material – Extrusion

jeweils bei der Materialkugel das Material Metall - Gold ein.

Änderung des Materials

 

5. Lasse Material – Extrusion markiert und klicke auf Eigenleuchten. Stelle im nachfolgenden Dialog die Lichtstärke auf »0« und dazu einen dunklen Gelbton ein. Diese Einstellung bewirkt, dass die extrudierte Fläche ein gelbes Eigenlicht an die Umgebung abgeben wird. Erhöhe im Anschluss auch noch die Spiegelung auf »40 %«.

Einstellung des eigenen Lichts und Erhöhung der Spiegelung

 

6. Klicke auf Umgebung und verringere die Intensität bei Farbe auf »60 %«.

Natürlich wären auch noch sehr viel ausgefeiltere Einstellungen möglich, das soll jetzt aber fürs Erste genügen. Drücke den Rendern-Button , um die Szene komplett zu ändern. So schnell der Effekt auch eingestellt war – das Rendern dauert immer relativ lange, in meinem Fall ist Photoshop für 50 Minuten außer Gefecht.

Die gerenderte Version

 

Und so sähe das Ganze ohne Eigenleuchten aus.

 

Eine etwas glänzendere Version

Für eine Version, bei der sich die Umgebung im Logo spiegelt, probiere einmal Folgendes:

7. Markiere Dein Logo im 3D-Bedienfeld, klicke im Eigenschaften-Bedienfeld auf den Kappe-Button und setze den Wert bei Stärke auf »10 %«. Durch die Wölbung können auch auf der Vorderseite Lichtreflexe entstehen.

Eine Wölbung sorgt für zusätzliche Lichtreflexe.

 

8. Markiere beide Vorderseiten-Flächen und ändere im Eigenschaften-Bedienfeld die Glanzstärke auf »60 %« und die Spiegelung auf »20 %«.

Verringerung der Intensität des Umgebungslichts

 

9. Lasse die Flächen markiert und klicke unten rechts auf Umgebung und dann auf Textur laden. Stelle ein beliebiges kontrastreiches Foto ein oder erstelle so wie ich eine weichgezeichnete Wolkenmap (mehr dazu erfährst Du im Beitrag »Angebotswürfel erstellen«).

Einstellung einer Umgebung

 

Rendere das Ganze erneut und Du erhältst folgendes Ergebnis.

Der gerenderte Text wurde um interessante Reflexe erweitert.

 

3D-Texteffekt: die (etwas) flexiblere Variante

In den Weiterbearbeitungsmöglichkeiten ist man bei diesem Lösungsweg allerdings ein wenig limitiert, denn das Logo und der Hintergrund sind zu einer Einheit verschmolzen worden. Man kann das Logo also nicht vor ein anderes Hintergrundmotiv stellen. Auch ein Export als PNG mit Transparenz ist nicht drin, was ein ziemlicher Nachteil ist.

Damit wir ein vom Hintergrund losgelöstes Logo erstellen können, ist ein etwas anderer Lösungsweg (ohne Postkarte) nötig – keine Sorge, so aufwendig ist das gar nicht.

1. Erstelle, wie in den Schritten 1 bis 3 beschrieben, ein extrudiertes Logo.

2. Markiere das Logo und klicke im Eigenschaften-Bedienfeld auf das Koordinatensystem-Icon . Stelle in der mittleren Spalte (Drehung) bei x einen Winkel von »90°« ein. Dadurch drehst Du es genau um 90°. Mit der Maus wäre das viel schwieriger.

Drehung des Logos

 

3. Klicke im Eigenschaften-Bedienfeld auf das Mesh-Symbol und verringere die Extrusion auf einen Wert von »150 px«.

Verringerung der Extrusionstiefe

 

4. Wähle den Befehl 3D → Objekt auf Grundebene verschieben. Dadurch liegt Dein Logo wieder exakt auf dem Boden.

Objekt wieder auf den Boden gelegt

 

5. Klicke im 3D-Bedienfeld auf Aktuelle Ansicht und stelle im Eigenschaften-Bedienfeld den Eintrag bei Ansicht auf Oben. Drücke darunter auf das Icon neben Perspektivisch (daraufhin ändert sich der Eintrag darüber auf »Benutzerdefinierte Ansicht«). Ändere zudem unter FOV die Brennweite auf »25 mm«.

Drehung und Anpassung der Kameraperspektive

 

6. Stelle den Goldeffekt ein (siehe oben).

Goldeffekt eingestellt

 

7. Ändere unter Gerichtetes Licht die Lichtposition und zwar so, dass das Licht von der Seite kommt und relativ tief steht – für einen intensiven Schattenwurf.

Einstellung der Lichtquelle

 

8. Wenn Du möchtest, dass das Logo sich im Boden spiegelnd erscheint, ändere bei Umgebung im Abschnitt Spiegelungen die Werte bei Deckkraft und Rauheit.

Anpassung der Spiegelung

 

9. Rendere Dein Logo erneut.

Das gerenderte Ergebnis

 

Der Hintergrund lässt sich jetzt problemlos austauschen.

 

Fazit

Wie Du siehst, ist es gar nicht so schwer, Logos ansprechend in 3D umzusetzen. Es gibt viele Variationsmöglichkeiten und wie immer gilt: Probieren geht über studieren – so lernt man die Auswirkungen von Einstellungen immer noch am besten kennen.

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