Jahresrückblick 2019 – was gab es Neues für Photoshop, InDesign und Illustrator?

von Martin Vogler

Jahresrückblick 2019 – was gab es Neues für Photoshop, InDesign und Illustrator?

Wie jedes Jahr wollen wir auch Ende dieses Jahres wieder einen kleinen Blick zurück auf das ablaufende Jahr 2019 werfen. Was gab es für Photoshop, InDesign und Illustrator Erfreuliches, was hat uns geärgert und was wünschen wir uns für 2020? Dazu haben wir auch wieder ein paar nützliche Tipps und Tricks für Sie parat.

In diesem Artikel hatten wir Ihnen im abgelaufenen Jahr erläutert, wie Sie farbenfrohe Kartenmotive gestalten können.

 

Wir bedanken uns vorab bei Ihnen für Ihre Treue und freuen uns schon darauf, Ihnen auch im neuen Jahr wieder dabei helfen zu können, Ihre kreativen Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.

Was sind die besten Neuerungen im Jahr 2019 gewesen?

Marianne Deiters (Photoshop): Ich habe zurzeit einen riesigen Spaß dabei, die neue Verformen-Funktion auszuprobieren. Besonders die Möglichkeit, eigene Gitterlinien zu definieren, ist einfach genial und macht gezielte Verzerrungen möglich. Die Arbeit im Verformen-Modus geschieht in Echtzeit, und auch die Qualität der endgültigen Transformation ist zufriedenstellend.

Verformen

In dieser Praxishilfe stellen wir Ihnen die alten und neuen Optionen der Verformen-Funktion auf den Punkt gebracht vor.

Es lohnt sich wirklich, sich ausgiebig damit zu beschäftigen. Ich habe auch noch einige versteckte Features gefunden, die ich gern in einem zukünftigen Beitrag mit Ihnen teilen möchte. Hier ist eine kleine Spielerei, deren Erzeugung nur zwei Minuten gedauert hat. Früher musste man für so etwas mehr Aufwand betreiben.

Die erweiterten Möglichkeiten der Verformen-Funktionen laden zum Experimentieren ein.

 

Die neuen Möglichkeiten im Eigenschaften-Bedienfeld sind ebenfalls sehr willkommen. Das hatte ich mir gewünscht, und ich sehe es als eine logische Weiterentwicklung an, die gern schneller vorangetrieben werden könnte. Der Umzug der Vorgaben in eigene Bedienfelder ist auch klasse. So lassen sich die Vorgaben viel leichter verwalten.

Isolde Kommer (InDesign): Sehr praktisch finde ich die Möglichkeit, in InDesign nun Spaltenlinien als Rahmeneigenschaften zu definieren. In unserem Produktionsalltag, der sich vor allem mit Buch- und Magazinsatz beschäftigt, benötigen wir dieses Feature doch relativ häufig, und es war immer etwas mühsam, die Linien per Hand anzulegen.

InDesign CC 2020

Die besten Neuerungen von InDesign CC 2020 erfahren Sie in diesem Artikel.

Monika Gause (Illustrator): Besonders auffällige neue Funktionen hat es ja nicht gegeben. Ich finde es gut, dass die Entwickler sich um das Fundament kümmern, d. h. schnelleres Rendern von Effekten, Speichern im Hintergrund, Illustrator und Netzwerke ... Illustrator ist über 30 Jahre alt und damit der Methusalem der Creative Cloud. Da ist es nötig, dass man sich mit so etwas beschäftigt und das Programm fit macht für das neue Jahrtausend. Die Konkurrenz schläft nicht und hat den großen Vorteil, dass sie alles neu machen kann, wodurch ihre Prorgamme optimal auf der aktuellen Hardware laufen.

Ich kann mir aber auch jede Menge Anwender vorstellen, die Vorteile mit der dynamischen Rechtschreibkorrektur haben. Doppelt hält einfach besser – selbst wenn ohnehin ein Korrektorat nochmal drüberguckt. Es gab auch eine kleine Verbesserung beim Bildnachzeichner für Schwarzweiß-Vorlagen, leider noch nicht ganz so gut wie der alte Nachzeichner, aber immerhin.

Illustrator CC 2020

Was Illustrator CC 2020 alles neues zu bieten hat, erläutert dieser Artikel.

Martin Vogler (Photoshop): Es gab viele gute Neuerungen in Photoshop CC 2020, die dieser Artikel gesammelt vorstellt. Dass Adobe versucht, die Benutzerführung in Photoshop Stück für Stück zu verbessern, um ein effizienteres Arbeiten zu ermöglichen, finde ich positiv – das Verbessern eines Programms sollte aber irgendwie bei einem Subskriptionsmodell auch selbstverständlich sein.

Eine Funktion, die mich und alle anderen, die viel Wert auf Effizienz beim Composing legen, sehr gefreut hat, ist die neue Unterstützung von Ebenenkompositionen in Smartobjekten.

Ebenenkompositionen in Smartobjekten

Wie Sie mit diesem neuen Feature in der Praxis arbeiten, erläutert diese Praxishilfe.

Was hat uns im abgelaufenen Jahr am meisten geärgert?

Marianne Deiters: Ich habe sehr mit den Voreinstellungen zum proportionalen Transformieren gekämpft. Jetzt habe ich über die Voreinstellungen unter Allgemein alles wieder zurückgesetzt, indem ich die Checkbox bei Älteres Frei transformieren markiert habe, und verwende die Umschalt-Taste, wenn ich proportional transformieren möchte. Gut, dass wir die Wahl haben.

Übrigens, falls Ihre Ebenenkompositionen in Photoshop 2020 anders als zuvor aussehen, was einige Anwender schmerzhaft erfahren mussten, markieren Sie die Checkbox Älteres Compositing unter Voreinstellungen → Leistung.

Das Aktivieren dieser Checkbox kann durchaus eine Lösung für das eine oder andere unerklärliche Problem bringen.

 

Isolde Kommer: Ein sehr vielversprechender Ansatz ist die Übernahme von PDF-Kommentaren direkt ins InDesign-Layout. Adobe hat sie in die InDesign-Version CC 2019 eingebaut, sie funktioniert allerdings bis heute noch nicht wirklich glatt, sodass stets ein paralleler, kontrollierender Blick auf das kommentierte PDF-Dokument nötig ist. Bedauerlich finde ich, dass hier in den neuen Updates keine Verbesserungen vorgenommen wurden.

Monika Gause: Es betrifft nicht nur Illustrator, dass uns die MAX-Sneaks seit Jahren wie eine Karotte vor die Nase gehalten werden, aber davon nicht so viel in den Programmen ankommt. Und auch wenn es ein wenig schade ist, dass es nur wenige neue Funktionen der Kategorie »atemberaubend« gibt, finde ich es gut und wichtig, dass an der Basis des Programms geschraubt wird: Stabilität, Geschwindigkeit, Dateiformat. Illustrator ist ein altes Programm und diese Anpassungen sind notwendig. Ich hoffe darauf, dass all die schicken MAX-Sneak-Funktionen im Hintergrund eingebaut werden und wir das dann bekommen, wenn alles andere auch fertig ist. ;)

Martin Vogler: »Geärgert« wäre nicht der richtige Ausdruck. »Enttäuscht« bin ich aber von den ziemlich geringen Möglichkeiten, welche die iPad-Version von Photoshop bietet. Im vergangenen Jahr hatte Adobe die App Photoshop mobile noch mit den Worten angekündigt, dass es sich dabei nicht um eine abgespeckte oder eine Light-Version von Photoshop handeln wird.

Nun hat man die mobile Version von Photoshop als »Minimum Viable Product« veröffentlicht, das im Moment noch weniger kann als zum Beispiel Photoshop Mix oder Photoshop Fix, und dafür wie nicht anders zu erwarten viel Enttäuschung geerntet. Dennoch ist es ein spannendes und zukunftsorientiertes Projekt, das ich weiter mit Interesse verfolgen werde.

Einführung in Photoshop mobile

In diesem Artikel erhalten Sie eine ausführliche Einführung in Photoshop mobile Version 1.

Welche neue Funktion wünschen wir uns im neuen Jahr?

Marianne Deiters: Ich wünsche mir ein zeitgemäßes und übersichtliches Interface für Camera Raw! Ebenfalls wäre eine Überarbeitung und Erweiterung der Aktionen wünschenswert.

Isolde Kommer: Siehe vorige Frage – eine fehlerfreie Integration von PDF-Kommentaren wäre in unseren Workflows mit Autoren, Übersetzern und Lektoren äußerst willkommen und eine riesige Arbeitserleichterung!

Monika Gause: Ich hab die Sachen vom letzten Jahr noch nicht bekommen, zum Beispiel bessere Steuerungsmöglichkeiten für Angleichungen, Anordnen von Objekten entlang von Pfaden, Ausrichten im Raster, verständliche Verlaufsgitter, ohne dass man Tricks lernen muss, Vereinfachen von Pfaden mit intelligent gesetzten Punkten, Umwandeln von Konturen, ohne dass dabei drölfzigteusend Punkte entstehen, besseres Auswählen von Objekten über das Ebenen-Bedienfeld, mehr und detailliertere Auswahlbefehle, Kontextmenüs auch in Bedienfeldern, intuitives Transformieren von Mustern im Objekt, u. v. m.

Martin Vogler: Weniger ein Wunsch, als vielmehr eine Aufforderung ist es, endlich von der Usability-Sünde Abstand zu nehmen, aktive Menübefehle auszugrauen. Aber leider findet dieses Fehldesign weiterhin seine Fortsetzung, zum Beispiel auch in der mobilen Version von Photoshop.

Nur eines von leider vielen Beispielen: Der Befehl Exportieren ist in Premiere ausgegraut, obwohl er wählbar ist.

 

Welche Themen und Trends sehen wir 2020 ganz weit vorne?

Marianne Deiters: Die Automatisierung von Abläufen und Verbesserung der KI-Funktionen.

Isolde Kommer: Besonders interessant finde ich die typografischen Möglichkeiten variabler Schriften, vor allem im Zusammenhang mit modernen Ausgabegeräten; ich freue mich auf weitere Fontkreationen guter Schriftgestalter.

Monika Gause: Die Generalüberholung des Programms ist noch nicht abgeschlossen.

Gleichzeitig wird an Illustrator auf dem iPad gearbeitet, die erste Version wurde auf der MAX gezeigt https://youtu.be/86gW-Eav82A. Für Funktionen, wie die Symmetrie, wurde ja bereits großes Interesse seitens der Anwender auch auf dem Desktop angemeldet.

SVG ist ein weiteres großes Thema und auch in Illustrator gibt es dafür laufend Verbesserungen – ich bin gespannt, ob wir in dem Bereich irgendwann noch weitere Funktionen sehen werden (Styling, Interaktivität, Animation ...) oder ob Adobe sich in Sachen Webentwicklung endgültig vom WYSIWYG-Ansatz losgesagt hat.

Martin Vogler: Die Entwickler dürften sich nun erst einmal darauf konzentrieren, die Applikationen grundlegend zu modernisieren, um in der Zukunft ein reibungsloses Zusammenarbeiten mit mobilen Apps gewährleisten zu können. Ach ja – und natürlich wird 2020 auch der 30-jährige Geburtstag von Photoshop gefeiert. Vielleicht gibt es ja dann auch ein paar zusätzliche Überraschungen.

Haben Sie zum Jahresausklang noch einen kleinen Tipp?

Marianne Deiters: Adobe hat viele weitere Vorgaben spendiert, die allerdings etwas versteckt sind: Öffnen Sie z. B. das Formen-Bedienfeld. Im Fly-out-Menü oben rechts finden Sie den Befehl Frühere Formen und mehr. Nach der Anwendung des Befehls finden Sie an unterster Stelle einen entsprechend benannten Ordner. Darin ist der Ordner Formen 2019 verschachtelt, in dem Sie viele neue Formen finden. Das gleiche gilt auch für Muster im Muster-Bedienfeld.

Es gibt noch ein paar mehr Formen in den Vorgaben zu entdecken.

 

Vorstellung der verbesserten Vorgaben-Integration

Wie Sie die Möglichkeiten der überarbeiteten Vorgaben nutzen, erläutert diese Praxishilfe.

Isolde Kommer: Erstaunlicherweise bietet InDesign keine Möglichkeit, die Importoptionen eines bereits platzierten Assets, wie etwa einer PDF-Datei, zu bearbeiten, zum Beispiel die gewünschte Seite des platzierten Dokuments, den Beschnitt usw. Sie müssen dann den Befehl Platzieren erneut wählen, das Kontrollfeld Importoptionen anzeigen aktivieren, im folgenden Dialogfeld die gewünschten Einstellungen vornehmen und das platzierte Bild durch die neue Version ersetzen.

Wenn das nur hier und da vorkommt, ist es kein Problem, aber oft handelt es sich um einen ganzen Stapel von platzierten PDF-Seiten, die Sie auf diese Weise bearbeiten möchten. Mit Bordmitteln kommen Sie hier nicht weiter – wohl aber mit einem kleinen, nur zwei Zeilen langen JavaScript-Skript von John Hawkinson:

var g; (g=app.selection[0].graphics[0]). place(g.itemLink.filePath, true);

Kopieren Sie diese beiden Zeilen in Ihrem Texteditor in ein neues Dokument, speichern Sie dieses beispielsweise unter »recplace.jsx« (die Dateiendung .jsx ist wichtig!) und legen Sie es in den Ordner mit Ihren InDesign-Skripten.

Sie finden ihn am schnellsten, indem Sie mit Fenster → Hilfsprogramme → Skripte das Skripte-Bedienfeld anzeigen, dort das Bedienfeldmenü öffnen und Im Explorer/Finder anzeigen auswählen.

Sobald Sie das Skript in diesen Ordner eingefügt haben, wird es auch im Skripte-Bedienfeld von InDesign angezeigt, und Sie können es nun mit einem Doppelklick starten (vorher natürlich den entsprechenden Rahmen mit dem platzierten Asset auswählen).

Sie erhalten ein Dialogfeld, in dem Sie die Optionen neu einstellen können. Sobald Sie dieses bestätigen, wird das ausgewählte Asset mit den neuen Einstellungen aktualisiert.

Dank des kleinen Skripts können Sie nun die Importoptionen auch noch nachträglich anpassen.

 

Wenn Sie nichts einstellen, erfolgt eine kleine Skript-Fehlermeldung, die Sie einfach wegklicken können.

Monika Gause: Da ja das Dateiformat überarbeitet wurde, ist es ganz besonders wichtig, mit alten Dateien vorsichtig zu sein. Gehen Sie immer über Speichern unter, anderenfalls kann es sein, dass Schatten oder Freiformverläufe umgewandelt werden. Bei der Verwendung des Speichern-Befehls speichert Illustrator immer in der ursprünglichen Dateiversion.

Martin Vogler: Bei der Detailretusche möchte man regelmäßig abgleichen, wie sich eine Korrektur auf das gesamte Erscheinungsbild auswirkt. Dazu muss man immer wieder aufs Neue heraus- und wieder hineinzoomen. Dieses Zoomen könnten man sich zwar in manchen Fällen sparen, indem man sich den Navigator (Fenster → Navigator) einblendet und groß zieht. Die Navigator-Vorschau selbst kann aber nicht gezoomt werden.

Der Navigator kann mit Abstrichen auch zur Kontrolle des Gesamtbilder genutzt werden, wenn man ihn großzieht.

 

Es gibt aber auch noch eine versteckte Möglichkeit, dieses Problem eleganter zu lösen. Über den Befehl Fenster → Anordnen → Neue Ansicht für "[...]" kann man das Dokument in einem zweiten Fenster öffnen. Es handelt sich nicht um ein Duplikat!

Wenn man danach den Befehl Fenster → Anordnen → 2 Nebeneinander wählt, kann man ein und dasselbe Motiv gleichzeitig in zwei verschiedenen Zoom-Ansichten sehen und bearbeiten. Und wenn man die Ansicht verschieben möchte, kann man dies in beiden Fenstern sogar auch zugleich mit der Leertaste erledigen.

Das Dokument kann in zwei unterschiedlich gezoomten Ansichten parallel bearbeitet werden.

 

Und nun wünschen wir Ihnen erholsame Feiertage und ein gesundes neues Jahr! Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns auch im neuen Jahr mit Ihrer Treue belohnen.

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