Wie man den Satzspiegel in InDesign nachträglich sauber und problemlos ändern kann

von Klaas Posselt

Wie man den Satzspiegel in InDesign nachträglich sauber und problemlos ändern kann

Es kommt nicht selten vor, dass man den Satzspiegel in InDesign im Nachhinein anpassen muss. InDesign-Experte Klaas Posselt erläutert, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit man dieses Vorhaben gezielt und ohne unerwünschte Nebenwirkungen durchführen kann.

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Video: Satzspiegel nachträglich in InDesign ändern

In unserem ersten Beispieldokument sind ein Satzspiegel und ein Textrahmen vorhanden. Es zeigt sich ein typisches Problem: Ganz oft tritt nämlich der Fall auf, dass Dokumente einen definierten Satzspiegel besitzen, der mit dem eigentlichen Satzspiegel nichts zu tun hat.

Satzspiegel (rosafarbene Linie) und Textrahmen (blaue Linie) sind nicht deckungsgleich.

 

Wie erstelle ich einen primären Textrahmen?

Der Haupt-Textrahmen kann ein primärer Textrahmen sein – oder auch nicht. Ein primärer Textrahmen zeichnet sich dadurch aus, dass er ggf. automatisch eine neue Seite generiert, wenn er voll ist.

Wie erzeugt man einen primären Textrahmen? Wenn man über Strg/Befehl + N ein neues Dokument anlegt, überspringt man gerne einmal die Einstellung des Satzspiegels, die über den Bereich Ränder erfolgt. Zusätzlich gibt es die Option, durch Setzen des Häkchens bei Primärer Textrahmen gleich einen solchen mit dem neuen Textrahmen anzulegen.

Diese beiden Einstellungen werden beim Anlegen eines neuen Dokuments gerne einmal übersehen.

 

Wenn man danach den Textrahmen mit einem Platzhaltertext füllt (rechte Maustaste drücken und den Befehl Mit Platzhaltertext füllen wählen) und den Schriftgrad vergrößert, sieht man, dass automatisch neue Seiten angelegt werden und sich der Platzhaltertext in diese ergießt.

Nachdem wir den Schriftgrad vergrößert haben, fließt der Text in automatisch neu angelegte Seiten hinein.

 

Rahmen-Kennzeichnung

Dass es sich um einen primären Textrahmen handelt, erkennt man übrigens an einem speziellen Icon oben links.

Ein normaler Textrahmen besitzt diese Eigenschaft des primären Textrahmens nicht. Legt man einen normalen Rahmen an, dann wird bei Textüberlauf keine neue Seite automatisch hinzugefügt.

Der Text läuft über, es bleibt aber bei einer Seite.

 

Daran kann man aber etwas ändern – und zwar auf der Musterseite. Dort kann man sich auch nachträglich noch einen Textrahmen anlegen und diesen dann durch Klick auf das Icon oben rechts zu einem primären (Muster-)Textrahmen machen.

Mit einem Klick erhält der Textrahmen (auf der Musterseite) die Eigenschaften eines primären Textrahmens.

 

Nur ein primärer Textrahmen

Es kann immer nur ein Textrahmen den primären Textfluss besitzen. Sollen zwei Textrahmen den primären Textfluss besitzen, muss man sie miteinander verketten.

Den Satzspiegel nachträglich ändern

Möchte man den Satzspiegel nachträglich ändern, dann sollte nicht einfach nur der Rahmen auf der Musterseite kleiner gezogen werden.

Nicht einfach kleiner ziehen!

 

Dafür nutzt man besser die für die Änderung des Satzspiegels vorgesehene Funktion. Wenn man sich auf der Musterseite befindet, wählt man den Befehl Layout → Ränder und Spalten. Passt man nun sofort die Ränder an, sieht man, dass sich zwar der Satzspiegel ändert, aber nicht der Textrahmen.

Damit sich der Textrahmen automatisch an den veränderten Satzspiegel anpasst, muss man zusätzlich das Häkchen bei Layout anpassen setzen.

Der Textrahmen bleibt erst einmal unverändert. Damit sich dieser automatisch anpasst, muss man zusätzlich das Häkchen bei Layout anpassen setzen.

 

Es ist sogar möglich, in diesem Dialog die Anzahl der Spalten zu ändern – allerdings nur ohne automatische Layoutanpassung. Ein kleines Warndreieck weist darauf hin. Die Spaltenänderung müsste dann über die Textrahmenoptionen erledigt werden.

Verändert man an der Spaltenzahl, wird die Layoutanpassung deaktiviert.

 

Auf Deckungsgleichheit achten

Achten Sie generell darauf, dass Satzspiegel und Textrahmen deckungsgleich sind. Andernfalls wird es bei einer Änderung des Satzspiegels immer zu einem Glücksspiel, wohin ein darin eingebetteter Textrahmen wandert.

Negative Auswirkungen von nicht deckungsgleichen Rahmen

Die nachfolgenden Beispiele belegen noch einmal, warum es von Nachteil ist, wenn Satzspiegel und Textrahmen nicht deckungsgleich sind.

Im ersten Beispiel besitzen beide nicht die identische Höhe. Verringert man die Höhe des Satzspiegels, bleibt zwar ein Abstand zwischen beiden erhalten. Dieser verändert sich aber auf unkontrollierbare Weise.

Der Abstand zwischen Satzspiegel und Textrahmen wird auf nicht kontrollierbare Weise verändert.

 

Im zweiten Beispiel kann man dasselbe beobachten, wenn beide nicht die identische Breite haben. Auch hier verändert sich das Ganze unkontrollierbar.

Unkontrollierbare Veränderung bei einer Verringerung der Breite

 

Ausnahme

Eine kleine Ausnahme bildet jedoch der Fall, bei dem ein zweispaltiger Textrahmen in einem dreispaltigen Raster sitzt. Diesbezüglich ist also keine Deckungsgleichheit gegeben. Sind jedoch Textrahmen und Raster innerhalb der »benutzten« Spalten dann deckungsgleich, erfolgt die Änderung dennoch kontrolliert.

Vorteile von deckungsgleichen Rahmen

Wenn also beide Rahmen identisch groß sind, dann kann man auch problemlos und mit voller Kontrolle Änderungen auf Basis der Musterseite vornehmen.

In diesem Beispieldokument besitzen Satzspiegel und Textrahmen eine identische Größe.

 

Ändert man nun den Satzspiegel, in diesem Beispiel die Abstände Oben und Außen ...

 

... passen sich die Textrahmen wie gewünscht an den neuen Satzspiegel an.

 

Fazit

Ein sauberes nachträgliches Ändern des Satzspiegels ist also ohne Probleme möglich, wenn man die Änderungen über den Dialog Ränder und Spalten einstellt und zudem für eine identische Größe von Satzspiegel und Textrahmen gesorgt hat.

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