Spationieren in InDesign – so geht's einfach und schnell!

von Klaas Posselt

Spationieren in InDesign – so geht's einfach und schnell!

Durch eine Spationierung soll eine optimale Schriftsatzästhetik erreicht werden. Im Ergebnis führt sie zum Beispiel dazu, dass das Schriftbild harmonischer und besser lesbar wird. InDesign-Experte Klaas Posselt erläutert genau, wie man in InDesign richtig spationiert und wie man diese Aufgabe auch noch automatisieren kann.

Das sieht nicht schön aus – in Fällen wie diesen ist eine Spationierung dringend angesagt.

 

Videoversion: Richtig spationieren in InDesign

Video: Richtig spationieren in InDesign

Wichtige Begrifflichkeiten

Zunächst gilt es aber ein paar Begriffe zu erklären, die in diesem Zusammenhang auftauchen.

  • Spationieren: Hier werden Zeichen manuell zusammen- oder auseinandergezogen.
  • Laufweite: Bei dieser Einstellung wird der gesamte Text zusammen- oder auseinandergezogen.
  • Kerning: Hier konzentriert sich der Typograf auf problematische Buchstabenpaare (s)einer Schrift und sorgt dafür, dass der Weißraum durchgehend harmonisch erscheint.

Kerning in InDesign

In dieser Lerneinheit erläutern wir alles, was man zum Kerning in InDesign wissen muss.

Spationierung in der Praxis

Manchmal muss man manuell eingreifen, um die Mikrotypografie zu optimieren. Zum Beispiel kann für eine Schrift auch einmal kein Kerning vom Hersteller der Schrift eingestellt worden sein.

Bei der oberen Textzeile wurde in der Schrift bereits ein Kerning-Wert für das Buchstabenpaar »T« und »e« definiert. In der unteren Zeile fehlt dieser Kerning-Wert bzw. steht auf »0«, wodurch eine manuelle Spationierung notwendig wird.

 

Das Spationieren kann komfortabel über die Tastatur erledigt werden. Dazu platziert man einfach den Cursor zwischen das Buchstabenpaar und drückt Alt + Pfeil nach links für ein Zusammenziehen bzw. Alt + Pfeil nach rechts für ein Auseinanderziehen.

Nach dem Spationieren ist nun ein positiver Wert eingetragen.

 

Nachteil dieser Maßnahme ist jedoch, dass das Absatzformat nun eine Abweichung (+) meldet. Diese Unsauberkeit sollte generell vermieden werden.

Beim Absatzformat wird eine Abweichung angezeigt.

 

Spationierung über ein Zeichenformat

Es ist daher besser, die Spationierung über ein spezielles Zeichenformat zu erledigen.

Bei diesem kann man das Zusammenziehen übrigens nur über die Laufweite erreichen. Es gibt hier keine Möglichkeit, Werte für das Kerning einzustellen.

Möchte man ein Buchstabenpaar zusammenziehen, dann funktioniert dies nur über eine Änderung der Laufweite.

 

Nachdem man das Zeichenformat angelegt hat, markiert man z. B. einfach den Buchstaben, zu dem der nachfolgende Buchstabe hingezogen werden soll, ruft über Strg/Befehl + Enter die Schnell-Anwenden-Funktion auf und weist das Zeichenformat zu.

Schnelles Spationieren über Zeichenformate dank Schnell-Anwenden-Funktion

 

Bei längeren Dokumenten, die mit einer Schrift gesetzt wurden, bei der kein Kerning eingestellt worden ist, kann dies natürlich relativ aufwendig werden. Daher sollte man den nächsten Schritt machen und das Spationieren automatisieren.

Automatisierung der Spationierung

Dazu erstellt man ein neues Absatzformat bzw. bearbeitet das vorhandene Absatzformat.

Zunächst wechselt man in den Abschnitt GREP und stellt bei Format anwenden das Zeichenformat ein, welches auf das Buchstabenpaar angewendet werden soll.

Stellt man nur

Auf Text: T

ein, dann wird die Spationierung auf alle »T«-Kombinationen angewandt.

Bei »T« + »e« passt die Spationierung, bei »T« + »h« aber leider nicht.

 

Die Einstellung

Auf Text: Te

ist auch keine Lösung, da dann die falschen Buchstaben-Paare zusammengezogen werden.

»Auf Text: Te« ist auch keine Lösung.

 

Zum Glück können aber Bedingungen definiert werden, in unserem Fall wählen wir Entsprechung → Positives Lookahead. Dadurch wird InDesign angewiesen, nach rechts zu schauen, ob es da etwas Bestimmtes gibt, zum Beispiel ein »e«. Der GREP-Code sieht dann folgendermaßen aus:

Auf Text: T(?=e)

Und jetzt funktioniert es: Nur die Kombination »Te« wird angefasst.

 

Nun gibt es aber auch noch andere Buchstaben, die an ein »T« herangezogen werden sollen, zum Beispiel »a« oder »o«. Dafür müssen wir keine zusätzlichen GREP-Stile anlegen, sondern setzen einfach zwischen die einzelnen Buchstaben einen Strich nach oben (Pipe). Auf Windows wird dieses Zeichen durch Alt Gr + <> erzeugt, auf dem Mac durch Alt + 7.

Auf Text: T(?=e|a|o)

Immer wenn ein »e«, »a« oder »o« auf ein »T« folgt, wird das spationierende Zeichenformat angewandt.

 

Warum nicht über das Kerning gehen?

Im Absatzformat gäbe es natürlich durchaus die Möglichkeit, für den Text das Kerning anzupassen. Allerdings handelt es sich dabei nur um eine mathematische Neuberechnung der Abstände. Damit würde man also das umgehen, was der Typograf in fachmännischer Detailarbeit erarbeitet hat. Daher empfiehlt sich beim Kerning immer die Einstellung Metrisch und bei zu korrigierenden Abständen der Weg über das manuelle Spationieren.

Durch das optische Kerning wird die Vorarbeit des Typografen übergangen.

 

Abstände bei Einheiten optimieren

Sehr oft wird das Kerning beim Satz von Einheiten benötigt.

Typografisch korrekt wäre es dabei, zwischen Zahl und Einheit ein Achtelgeviert einzufügen. Meistens erhält man aber Texte, bei denen entweder gar kein Abstand existiert oder aufgrund eines Leerzeichens ein zu großer Absatz.

Korrekt wäre ein Abstand von einem Achtelgeviert (oben). Oft enthalten Texte aber entweder keinen Abstand (mittlere Zeile) oder einen zu großen (untere Zeile).

 

Auch dies können wir wieder automatisiert über das Absatzformat erledigen:

Auf Text: \d(?=g|kg|t|cm)

Bei dieser Anweisung wird das Absatzformat angewandt, wenn sich rechts von einer Zahl (\d) entweder ein »g«, ein »kg«, ein »t« oder ein »cm« befindet.

Diese GREP-Anweisung sorgt bei einer Maßeinheiten-Angabe für einen Abstand.

 

Außerdem können auch die Fälle behandelt werden, in denen der Abstand zu groß ist, weil ein ganzes Leerzeichen eingefügt wurde:

Auf Text: *(?<=\d)\s(?=g|kg|t|cm)

Diese Bedingung lautet übersetzt: »Wenn es eine Zahl (\d) gibt, die von einem Leerzeichen (\s) und einer Maßeinheit (?=g|kg|t|cm) gefolgt wird, dann wende das Zeichenformat an.

Mit dieser Bedingung können Leerzeichen zwischen Zahlen und Einheiten erkannt werden.

 

Fazit

Der Vorgang des Spationierens kann in InDesign glücklicherweise stark beschleunigt und automatisiert werden. Freilich ist dies aber noch keine Garantie für eine gelungene Schriftsatzästhetik. Diese hängt nach wie vor vom Auge des Setzers ab.

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