Wie Sie unechte Trennungen in InDesign finden und korrigieren

von Klaas Posselt

Wie Sie unechte Trennungen in InDesign finden und korrigieren

Beim Dokumentensatz in InDesign wollen Anwender oftmals ein schöneres Textbild erreichen, indem sie Trennungen durch manuell eingegebene Trennstriche und harte Zeilenumbrüche erzwingen. Diese Vorgehensweise fällt ihnen aber irgendwann auf die Füße, und dann müssen diese manuellen Eingriffe wieder rückgängig gemacht werden. InDesign-Experte Klaas Posselt zeigt, wie man unechte Trennungen in InDesign auf elegante Weise findet und eliminiert.

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Video: InDesign und manuelle Trennungen

Warum können unechte Trennungen zum Problem werden?

Zunächst gilt es, die Frage zu klären, was eine unechte Trennung ist und warum man sie möglichst vermeiden sollte. Dazu wechselt man zunächst einmal in den Layoutmodus und blendet die Sonderzeichen über den Befehl Schrift → Verborgene Zeichen einblenden ein.

Wechsel in den Layoutmodus

Um vom Ansichtsmodus schnell in den Layoutmodus zu wechseln, drücken Sie die Taste w. Passen Sie dabei aber auf, dass Sie sich währenddessen nicht in einem Textrahmen befinden, da Sie sonst den Buchstaben W eintippen.

Unechte Trennungen zeichnen sich typischerweise dadurch aus, dass sie vom Anwender manuell durch Eingabe eines Minus-Zeichens mit anschließendem Zeilenumbruch erzeugt werden.

Beispiel einer falschen, da manuell getätigten Trennung

 

Muss dann aber später noch einmal etwas am Inhalt oder Layout geändert werden, kann dies dazu führen, dass Textblöcke auseinandergerissen werden und erneut manuell eingegriffen werden muss. Bei umfangreichen Dokumenten kann dies ziemlich viel Zeit verschlingen und möglicherweise sogar zu Folgefehlern führen.

Durch Löschung einer größeren Textpassage entsteht hier aufgrund der manuellen Trennung ein unansehnlicher Textblock.

 

Bei der Beseitigung unechter Trennungen stehen wir vor dem Problem, dass bei der Umstellung auf die automatische Silbentrennung oftmals unschöne Trennungen entstehen können, zum Beispiel Trennungen, bei denen bereits nach zwei Buchstaben getrennt wird. Genau das ist ja auch der Anlass, warum man sich gezwungen sieht, manuell einzugreifen.

Automatische Trennungen sind nicht immer schön anzusehen.

 

In diesem Fall kann man jedoch auch »gesund« manuell eingreifen, indem man einen bedingten Trennstrich über Schrift → Sonderzeichen einfügen → Bedingter Trennstrich einfügt.

Einfügen eines bedingten Trennstrichs

 

In Kombination mit geschützten Leerzeichen ist am Ende ein schönerer Textfluss möglich, ohne dass bei Layout- oder Inhaltsänderungen alles wieder unschön durcheinandergewürfelt wird.

Das Wort wird nun schöner getrennt, ohne dass das Textbild zerstört wird.

 

Wie entledigt man sich unechter Trennungen?

Der Weg zur eleganten Lösung führt uns über den Suchen/Ersetzen-Dialog, der sich über das Bearbeiten-Menü oder die Tastenkombination Strg/Befehl + F öffnet. Dort wechselt man sogleich in den Reiter GREP.

Im nächsten Schritt sollte man dann erst einmal analysieren, wodurch sich die zu entfernenden Trennungen im Dokument auszeichnen, wie sie also beschaffen sind. Mit diesem Wissen kann man dann damit beginnen, den Suchausdruck Stück für Stück zusammenzubauen.

Der erste Typ von unechten Trennungen besteht wie oben beschrieben aus einem Minus-Zeichen, gefolgt von einem harten Zeilenumbruch. Wir geben bei Suchen nach: also folgendes ein:

-\n

Reguläre Ausdrücke über das Menü wählen

Sie müssen die regulären Ausdrücke nicht auswendig lernen, sondern können sich diese ganz einfach zusammenklicken, indem Sie auf das Klammeraffen-Symbol rechts von der Eingabezeile klicken und das gewünschte Zeichen aus dem Menü wählen.

Der harte Zeilenumbruch wird aus dem Menü heraus angefügt.

 

Um zu überprüfen, ob der eingegebene Ausdruck richtig funktioniert, klicken Sie mehrmals auf den Button Weitersuchen. So springen Sie von Fundstelle zu Fundstelle und können schnell sehen, ob auch wirklich nur manuell eingegebene Trennzeichen gefunden werden.

Der erste Suchtreffer wäre schon einmal vom gewünschten Typ.

 

In unserem Beispieldokument gibt es aber auch andere Fälle von falschen Trennungen, die mit dieser Suchabfrage nicht gefunden werden können. Dazu gehören Minus-Zeichen in Kombination mit harten Absatzschaltungen und Minus-Zeichen ohne anschließenden Zeilenumbruch.

Zwei Fälle, die von unserer Suchabfrage nicht gefunden werden können.

 

Einfach nur nach einem Minus-Zeichen suchen zu lassen, wäre auf jeden Fall fatal, weil dann auch Bindestriche bei Koppelwörtern entfernt werden würden.

Bei dieser Suchabfrage würden auch normale Bindestriche gefunden und ersetzt werden.

 

Füllung des Abschnitts »Suchen nach«

Nach der Analyse können wir unseren Suchausdruck nun folgendermaßen zusammenbauen:

Wir wissen, dass vor einer Trennung immer ein kleiner Buchstabe stehen muss. Also wählen wir uns aus dem Klammeraffen-Menü den Ausdruck Platzhalter → Alle Kleinbuchstaben.

\l

Auf diesen kleinen Buchstaben folgt dann das Minuszeichen.

\l-

Auf das Minuszeichen folgt ein Zeilenumbruch.

\l-\n

Da der Zeilenbruch aber nicht immer, sondern einmal oder keinmal vorkommen kann, wählen wir aus dem Menü Wiederholung → Null oder einmal.

\l-\n?

Dann wissen wir, dass bei Trennungen der getrennte Teil immer mit einem Kleinbuchstaben beginnt – das unterscheidet sie (im Deutschen) von Koppelwörtern! Aber aufpassen: Wenn auch englischsprachige Begriffe im Text vorkommen, wie »Log-in« oder »Opt-out«, dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Textstellen einzeln nacheinander zu prüfen, bevor Sie das Ersetzen zulassen.

\l-\n?\l

Ein erneuter Test zeigt, dass nun fast alle Fälle gefunden werden, bis auf den Fall mit den anschließenden Absatzschaltungen. Hier lassen wir aber lieber die Finger von einer automatischen Korrektur, da bei solchen Konstrukten sehr viele unvorhersehbare Nebeneffekte auftreten können.

Diese manuell ausgeführte Trennung mit anschließender Absatzschaltung bereinigen wir am Ende lieber manuell.

 

Füllung des Abschnitts »Ändern in«

Im nächsten Schritt geht es darum, InDesign mitzuteilen, mit welchen Zeichen die gefundene Stelle ersetzt werden soll.

Dazu gruppieren wir die einzelnen Bausteine im Abschnitt Suchen nach erst einmal mit Klammern.

(\l)(-\n?)(\l)

Wir haben danach drei Teile:

  • den Buchstaben, der vor dem Trennstrich kommt
  • den Trennstrich samt möglichem Zeilenumbruch und
  • den Buchstaben, welcher nach dem Trennstrich kommt

Zunächst soll die erste gefundene Stelle einfach so, wie sie ist, übernommen werden. Wir wollen keinen anderen Buchstaben haben. Also wählen wir aus dem Menü Fundstelle → 1. Fundstelle. Das liefert uns das Zeichen $1.

Damit wird die erste Fundstelle übernommen.

 

$1

Danach soll eine bedingte Trennung erfolgen. Wir wählen Trenn- und Gedankenstriche → Bedingter Trennstrich.

$1~-

Und wieder danach soll die dritte Fundstelle übernommen werden.

$1~-$3

Der abschließende Test führt dazu, dass nun alle falschen Trennungen automatisch korrigiert werden.

Die Gefahr dabei ist jedoch, dass sich das Satzbild an manchen Stellen nicht zum Positiven ändert. Um dies zu verhindern, benötigt man allerdings fortgeschrittenes GREP-Know-how – und selbst dann kann immer noch eine Menge schiefgehen.

Die Grundidee wäre aber, dass man

  • zunächst den ersten getrennten Wortteil über ein geschütztes Leerzeichen an das davor stehende Wort kettet,
  • dann den zweiten Wortteil ebenfalls mit einem geschützten Leerzeichen an das nachfolgende Wort kettet und
  • erst dann den bedingten Trennstrich zum Einsatz kommen lässt.

Fazit

Der Weg über die GREP-Suche ermöglicht ein schnelles Auffinden von falschen Trennungen. Wir empfehlen Ihnen aber in diesem Fall, die Ersetzung lieber schrittweise von Fall zu Fall vorzunehmen und nicht alle Trennungen auf einen Schlag automatisch ersetzen zu lassen. Dann haben Sie die Kontrolle darüber, was passiert. Andernfalls ist mit unvorhersehbaren Nebeneffekten, wie einer Verschlechterung des Satzbildes, zu rechnen.

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