Illustrator-Dateien kleiner machen

von Monika Gause

Illustrator-Dateien kleiner machen

Meine erste 1-Gigabyte-Festplatte kostete 2.400 DM und war etwas ganz Besonderes. Heutzutage sind wir einige Tausend Gigabytes weiter und preislich vergleichbar im Keller angelangt. Dennoch bestehen Grenzen für Dateigrößen, z.B. beim Versand an Druckereien, Kunden und Kooperationspartner – vor allem, wenn dies über mobile Netze passiert. Die Frage, wie man Illustrator-Dateien kleiner bekommt, bewegt Anwender also trotz niedriger Preise und großer Platten.

Um diese Frage zu beantworten, sehen wir uns zunächst an, warum sie eigentlich so groß sind. Von diesem Wissen lassen sich bereits einige Strategien ableiten, um Dateien kleiner zu speichern.

Illustrator kann seine nativen Dateiformate (AI, PDF, EPS, SVG) so abspeichern, dass alle Inhalte doppelt vorhanden sind. Dies geschieht, indem die entsprechende Option gesetzt wird. Wenn Sie Ihre AI-Dateien in anderen Adobe-Programmen platzieren oder öffnen wollen, muss ein PDF eingebettet sein.

In den PDF-Optionen (oben) bzw. den AI-Optionen (unten) finden sich die Checkboxen, um eine Datei voll editierbar (oben) bzw. kompatibel (unten) abzuspeichern.

Beim Speichern eines EPS haben Sie diese Wahl nur über einen Umweg: die Auswahl der Version. Damit wählen Sie eigentlich nicht die Version des EPS, sondern die der eingebetteten AI-Datei. Wählen Sie bis Version 8, dann wird keine AI-Datei eingebettet. Denken Sie daran, dass Sie Editierbarkeit verlieren, wenn Sie eine andere als die Erstellungsversion wählen.

Auswahl der Version in den EPS-Optionen

Sind Bilder verknüpft, dann können diese ebenfalls in mindestens einem Teil der Datei (dem PDF, EPS oder SVG) eingebettet sein.Darüber hinaus können in Illustrator-Dateien Fonts (gegebenenfalls etliche Hundert KB), ein Farbprofil (ca. 1 MB) und ein Vorschaubild eingebettet sein.

Die PDF-Option Für schnelle Webansicht optimieren verkleinert die Datei übrigens nicht, sondern vergrößert sie, weil Vorschaubilder eingebettet werden, die die gefühlte Wartezeit auf die Datei bei der Online-Ansicht verkürzen sollen.

Der Dateigröße wirkt eine Komprimierung entgegen, falls diese Option ausgewählt ist. Dauert der Speichervorgang sehr lange, dann empfiehlt Adobe, diese Komprimierung zu deaktivieren.

Diese »Speicherplatzfresser« könnten Sie ziemlich direkt beeinflussen:

  • Deaktivieren Sie die Kompatibilitätsoptionen.
  • Deaktivieren Sie die Schrifteneinbettung.
  • Deaktivieren Sie beim EPS das Einbetten von Bildern.

Diese Maßnahmen können zur Folge haben, dass die Datei nicht korrekt ausgegeben wird, nicht mehr in Illustrator editierbar ist oder nicht in anderen Adobe-Anwendungen verwendet werden kann.

  • Deaktivieren Sie das Einbetten eines Farbprofils.
  • Aktivieren Sie die Komprimierung.

Diese beiden Optionen sind unabhängig von der Größenoptimierung zu empfehlen. Farbprofile in Illustrator-Dateien können beim Ausgeben gefährlich sein, wenn Sie die Datei in InDesign platzieren – falls Ihr Workflow nicht entsprechend daraufhin optimiert ist, sollten Sie das Farbprofil nicht in die Illustrator-Datei einbetten. Wenn Sie RGB-Dateien erstellen, sollten Sie jedoch ein Farbprofil einbetten.

Vektor + Farbprofile

Vektordateien werden nicht medienneutral erstellt, da eine Konvertierung von Farben mit ICCFarbprofilen nicht die exakten Farbwerte liefert, die für die feinen Linien und exakten Farbflächen benötigt werden. Bei einer ICC-Konvertierung kann Schwarz bunt werden und ein leuchtendes Gelb Cyan-Anteile bekommen, die im Druckergebnis sichtbar sind.

Andere Dateiformate oder Speicheroptionen

Ein PDF wird kleiner, wenn Sie es von Acrobat komprimieren lassen oder über den Distiller ausdrucken. Abgesehen von der Dateigröße hat dies jedoch keine Vorteile und es ist unmöglich, auf diesem Weg eine AI-Datei darin einzubetten. Um die Bearbeitbarkeit zu erhalten, müssten Sie also eine zweite Datei speichern, und der Vorteil der Dateigröße wäre dahin.

Ein EPS wird unter bestimmten Umständen kleiner, wenn Sie es in niedrigere Versionen speichern. Dies gilt jedoch nur, wenn es nichts außer einfachen Pfaden und Schnittmasken enthält. Alle anderen Objekte werden umgewandelt. Dabei entstehen mehr Punkte und im Fall von Transparenz, die in jeder EPS-Version verflacht wird, kann es sogar zu Rasterungen kommen. Die Dateigröße wird dadurch eher größer als kleiner.

Speichern in ältere Illustratorversionen bringt nur in Ausnahmefällen kleinere Dateien und natürlich Probleme bei der Editierbarkeit. Vor allem, wenn Sie mit Illustrator CS6 oder höher arbeiten, sollten Sie unbedingt vorsichtig mit dem Speichern in alte Versionen umgehen. Mehr dazu finden Sie in einem Beitrag in »Illustrator Service« Ausgabe 21.

Farbmodus

Sie kennen es von Photoshop-Dateien, dass RGB-Bilder kleiner sind als CMYK-Bilder, denn es wird ein Kanal weniger benötigt. Bei Rasterdaten macht dies etwas aus, bei reinen Vektordaten zählen andere Faktoren mehr, wie z.B. die bereits im Dokumentprofil enthaltenen Vorgaben. Darüber hinaus sollten Sie bei Vektordaten den Farbmodus nach dem Kriterium des Zielmediums und des Dateiinhalts auswählen, d.h., auch für den Druck kann der Farbmodus RGB sinnvoll sein, wenn Sie mit bestimmten Füllmethoden arbeiten wollen.

Das Dokumentprofil Ohne Alles enthält keine Pinsel, Farbfelder oder Symbole und ist damit noch viel kleiner als die RGB-Profile.

Größe der Objekte

Vektorprogramme erlauben die Erstellung frei skalierbarer Grafik, weil alles aus mathematischen Kurven besteht. Das bedeutet natürlich auch, dass die physikalische Größe der Objekte auf der Zeichenfläche unabhängig von der Dateigröße ist. Es bringt nichts, sie zu verkleinern.

Ausnahme: Wenn Sie pixelbasierte Effekte verwendet haben, werden diese im PDF und im EPS in Rasterbilder umgerechnet. Diese Bilder sind natürlich kleiner, wenn die Grafik selbst klein ist. Allerdings bringt Ihnen die Verkleinerung nur etwas, wenn Sie nicht gleichzeitig die Auflösung erhöhen müssen, um eine ausreichende Qualität für die Ausgabe erreichen zu können. Bilder mit vielen pixelbasierten Effekten auf Clipart-Portalen sind z.B. häufig sehr klein, damit die Dateigröße im Rahmen bleibt. Wenn die Dateien ausgegeben werden sollen, müssen sie erst einmal vergrößert und/oder die Auflösung der rasterbasierten Effekte muss erhöht werden.

Platzierte Bilder

Bilder werden zu unterschiedlichen Zwecken in Illustrator-Dateien platziert. Einige gehören zur Illustration oder zum Layout. Andere sind lediglich Vorlage oder Referenz. Wird eine AI-Datei mit PDF-Kompatibilität gespeichert, dann sind alle Bilder in diesem PDF-Part der Datei eingebettet, es sei denn, sie liegen außerhalb der Zeichenflächen. Eine Möglichkeit, die Dateigröße zu verringern, besteht also darin, die platzierten Bilder, wenn Sie sie nicht löschen wollen, wenigstens neben der Zeichenfläche zu lagern.

Paletteninhalte

Pinsel, Symbole, Grafikstile und Farbfelder, vor allem Musterfelder, erhöhen die Dateigröße in nicht unerheblichem Maße. Jeder Pinsel und jedes Muster, das Sie einfach nur ausprobieren, wird der Datei permanent hinzugefügt. Wenn Sie sehr viel experimentieren, wird die Datei daher groß. Löschen Sie also regelmäßig diejenigen Elemente aus den Paletten, die Sie nicht in der Datei verwenden. Es macht jedoch keinen Sinn, die zu löschen, die Sie verwenden. Nicht nur werden damit Änderungen an den entsprechenden Objekteigenschaften und deren Formen praktisch unmöglich, es erhöht auch die Dateigröße, denn die entsprechenden Pfade werden umgewandelt, und bei einem Pinsel können so erheblich mehr Punkte entstehen.

Pfade

Auch die Pfade können optimiert werden. Dies gilt vor allem für Dateien aus CAD-Umgebungen. Darin bestehen die Objekte in der Regel aus lauter einzelnen Segmenten, die aneinanderstoßen. Fügt man diese Einzelpfade tatsächlich zusammen, dann wird die Anzahl der Punkte halbiert. Die Dateigröße wird ebenfalls reduziert.

Das Sechseck ist kein Sechseck, sondern es handelt sich um sechs Pfade.

Anlegen der Grafik

Wenn viele wiederholende Elemente vorhanden sind, arbeiten Sie mit Symbolen. Das kann viel Platz sparen. Ebenso der Einsatz von Grafikstilen oder Pinseln, wo das angebracht ist. Mit Aussehen-Eigenschaften und Pinseln lassen sich viele Dinge umsetzen, die anderweitig kompliziert wären.

Schriften

Bevor Sie die Datei speichern, gehen Sie zu Schrift ➝ Schrift suchen und überprüfen, dass wirklich nur die Schriften in der Datei angewandt sind, die Sie auch verwenden wollten. Oft genug kann es beim Experimentieren passieren, dass man vergisst, ein Leerzeichen umzuformatieren. Die eingebettete Schrift vergrößert die Datei unnötig und die abweichenden Schriftformatierungen können noch dazu verwirrend sein, wenn Sie die Datei weiterreichen.

Auflistung der verwendeten Schriften mit Schrift suchen

Schatten und Co

Schatten und andere pixelbasierte Effekte sind thematisch mit platzierten Bilder verwandt, denn im PDF- bzw. EPS-Zweig der Datei werden sie tatsächlich in Pixelbilder umgewandelt. Je geringer die Dokument-Rastereffektauflösung, umso kleiner werden die Dateien demnach. Eine geringe Rastereffektauflösung ist natürlich kontraproduktiv für die Druckproduktion, Sie können dies also nur machen, wenn die Dateien nicht gedruckt werden sollen oder jedenfalls solange sie noch nicht in den Druck gehen. Der Bildschirmaufbau wird außerdem schneller. Viele Photoshop-Effekte sehen jedoch in einer anderen Rastereffektauflösung ganz anders aus. Wenn Sie außerdem in Illustrator-Versionen unter CS5 arbeiten, werden beim Skalieren von Objekten oder beim Ändern der Rastereffektauflösung viele Effekte nicht korrekt umgerechnet.

Speichern unter

Während der Arbeit an einer Datei speichert man gerne einfach mit dem Kurzbefehl Speichern. Dabei werden Änderungen jedoch lediglich an eine bestehende Datei angehängt, die dadurch immer größer wird. Sie können die Datei und natürlich deren Speichergröße optimieren, indem Sie Speichern unter verwenden. Die Datei wird dann völlig neu geschrieben.

Unabhängige Faktoren

Nicht zuletzt spielen für die Dateigröße auch das Betriebssystem sowie das Dateisystem Ihrer Festplatten eine Rolle, indem sie bestimmen, in wie große Blöcke eine Platte aufgeteilt wird. Diese wiederum geben Mindestgrößen für Dateien vor. Es ändert sich zwar nicht die exakte Größe der Datei, aber der Platz, den die Datei effektiv auf dem Volume belegt.

Die Zahl in Klammern bezeichnet den auf dem Volume belegten Speicherplatz.

Fazit: Illustrator-Dateien kleiner machen

Den größten Gewinn bringen Ihnen das Löschen nicht verwendeter Vorgaben (Pinsel, Farbfelder etc.), das Speichern ohne PDF, das Weglassen des Farbprofils und das Verwenden der Kompression. Wenn Sie mit Ihren Dateien eigene Tests zur Größenoptimierung durchführen wollen, speichern Sie immer zunächst eine Datei mit allen benötigten Optionen und vor allem in Ihrer AI-Version. Die Verluste, die beim Speichern mit ungewöhnlichen Optionen auftreten können, also Umwandlungen von Objekten, Live-Eigenschaften oder Farben, treten bereits beim Speichern auf und nicht erst beim erneuten Öffnen der Datei.

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